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AfghanistanBildung und Leben bedroht!

Nach der Machtübernahme durch die Taliban ist die Bildungsinternationale besorgt über die Sicherheit von Lehrkräften und den gleichberechtigten Zugang zu Bildung, besonders für Mädchen. Die GEW hat sich an Bundesaußenminister Heiko Maas gewandt.

26.08.2021 - Carmen Ludwig, Referentin Internationales

Nach der Machtübernahme durch die Taliban in Afghanistan fordert die Bildungsinternationale (BI), Bildungseinrichtungen auch in Konfliktzeiten zu schützen und diese zu sicheren Zufluchtsorten zu machen. Derzeit sind nach Angaben der UNESCO die staatlichen Schulen geschlossen, bis die neue Taliban-Regierung eingesetzt wird.

Die BI unterstützt in der schwierigen Lage die beiden Mitgliedsgewerkschaften, den National Teachers Elected Council of Afghanistan (NTEC) und die Afghanistan Teacher Support Association (ATSA). Viele ihrer Mitglieder fürchten um ihr Leben. In einigen Provinzen wurden Mitglieder der BI, die sich aktiv für den Bildungszugang für Mädchen eingesetzt haben, von den Taliban angegriffen.

GEW wendet sich an Bundesaußenminister Maas

Die GEW-Vorsitzende Maike Finnern hat sich in einem Schreiben an Bundesaußenminister Heiko Maas dafür eingesetzt, gefährdeten Menschen Schutz in Deutschland zu bieten. Es müsse sichergestellt sein, dass auch Lehrkräfte, Hochschulangehörige sowie Vertreterinnen und Vertreter der Bildungsgewerkschaften aufgenommen werden, die wegen ihrer Tätigkeit und ihres Engagements bedroht sind.

„Wir haben eine unbestreitbare moralische Pflicht, den Afghan:innen zu helfen.“ (Maike Finnern)

„Über 20 Jahre lang haben Afghan:innen Seite an Seite mit internationalen Organisationen und Geldgebern gearbeitet, eine Arbeit, die sie und ihre Familien nun in tödliche Gefahr bringt. Wir haben eine unbestreitbare moralische Pflicht, ihnen zu helfen“, heißt es in dem Schreiben.

Die GEW fordert die Bundesregierung dringend auf:

  • die Evakuierung aller gefährdeten Afghaninnen und Afghanen zu ermöglichen und zu beschleunigen. Dazu gehören die Visabeschaffung, die Gewährleistung einer sicheren Passage zum Flughafen Kabul und ein sicherer Zugang zu Flügen für alle, die von Repressalien der Taliban bedroht sind. Lehrkräfte, insbesondere weibliche Lehrkräfte und Gewerkschaftsvertreterinnen und -vertreter, die wegen ihrer Bemühungen um das allgemeine Recht auf Bildung ins Visier der Taliban geraten sind, müssen unbedingt berücksichtigt werden;
  • Studierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Afghanistan die Fortsetzung ihres Studiums und ihrer Arbeit in Deutschland zu ermöglichen;
  • die Visaanträge für Familienmitglieder von bereits in Deutschland lebenden afghanischen Flüchtlingen zu beschleunigen;
  • humanitäre Bemühungen und Bildungsinitiativen zu unterstützen und den Zugang von UN-Organisationen zu den 18,4 Millionen Afghaninnen und Afghanen, die dringend humanitäre Hilfe benötigen, zu gewährleisten.

Taliban greifen Menschen im Bildungsbereich an

Die Taliban sind dafür bekannt, dass sie in der Vergangenheit Schulen und Bildungseinrichtungen angegriffen haben. Die Vereinten Nationen meldeten in den Jahren 2019 und 2020 132 Angriffe auf Schulen und Lehrkräfte. In 25 Fällen wurden Beschäftigte im Bildungsbereich getötet, verletzt oder entführt. Die meisten dieser Angriffe wurden von den Taliban verübt.

Mädchen vom Unterricht ausgeschlossen

Der Zugang zu Bildung, insbesondere für Frauen und Mädchen, ist akut gefährdet: In vielen von den Taliban kontrollierten Regionen dürfen Frauen nicht mehr unterrichten, und Mädchen sind vom Schulbesuch ausgeschlossen. Während ihrer Regierungszeit zwischen 1996 und 2001 setzten die Taliban ein hartes System der Geschlechtertrennung durch, das Mädchen und Frauen den Zugang zu Berufen, dem Wahlrecht und zu Bildung verwehrte.

Dabei besteht weiterhin ein großer Nachholbedarf beim gleichberechtigten Zugang zu Bildung: Trotz der gestiegenen Bildungsbeteiligung von Mädchen in den letzten 20 Jahren sind nach Angaben von UNICEF noch immer 60 Prozent der 3,7 Millionen afghanischen Kindern, die keine Schule besuchen, Mädchen.