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SüdafrikaAbschied von Denis Goldberg

Wir verabschieden uns von dem südafrikanischen Freiheitskämpfer Denis Goldberg, der zeit seines Lebens gegen Rassismus kämpfte. Um aufzuklären, sprach er vor Schulklassen - auch in Deutschland und mit GEW-Delegationen.

11.05.2020 - Klaus Bullan und Carmen Ludwig

Einer der großen historischen Vertreter der südafrikanischen Befreiungsbewegung gegen die Apartheid ist am 29. April 2020 gestorben – kurz nach Vollendung seines 87. Lebensjahres. Denis Goldberg, als Sohn in einer jüdischen Familie in Südafrika aufgewachsen, lernte als Weißer Diskriminierung früh in der Schule kennen, wo ihm antisemitische Vorurteile entgegengebracht wurden. Das prägte sein gesamtes Leben. Bis zuletzt setzte er sich stets für die Würde aller Menschen, den Schutz von Minderheiten, gegen Unterdrückung und für soziale und politische Rechte ein.

Kampf gegen die Apartheid

Denis Goldberg hat sein Leben lang dem ANC (African National Congress) angehört. Er war einer der Protagonisten, als nach dem Sharpeville Massaker 1960 der bewaffnete Kampf im ANC aufgenommen und Umkhonto we Sizwe, der bewaffnete Arm des ANC, gegründet wurde. 1963 wurden er und ein großer Teil der Führung des inzwischen verbotenen ANC in ihrem Versteck auf der Liliesleaf-Farm in der Nähe von Johannesburg festgenommen. Zusammen mit Nelson Mandela wurden sie im Rivonia-Prozess angeklagt.

22 Jahre im Gefängnis

Denis Goldberg wurde – wie die meisten Angeklagten – zu vierfacher lebenslanger Haftstrafe verurteilt und musste 22 Jahre in Pretoria unter isolierten Bedingungen absitzen. Die Apartheid machte auch vor den Gefängnissen nicht halt: Als Mann weißer Hautfarbe kam er nach Pretoria, während seine Genossen auf Robben Island eingekerkert wurden.

1985 kam er frei und ging über Israel zurück nach London ins Exil zu seiner Familie. Von dort setzte er den Befreiungskampf für den ANC bis zum endgültigen Ende der Apartheid fort.  Freiheits- und Gleichheitsrechte, rechtliche Gleichstellung und Menschenrechte für alle waren für Denis Goldberg wichtig. Er wusste persönlich, was es gekostet hatte, diese zu erreichen. Dennoch war ihm als langjähriges Mitglied auch der kommunistischen Partei Südafrikas und des Gewerkschaftsbundes COSATU (beide Organisationen seit 1994 im Regierungsbündnis mit dem ANC) bewusst, dass diese Rechte auch soziale Rechte und Teilhabe beinhalten müssen. Und dass Südafrika im Jahr 2020 davon weit entfernt ist, war auch für Denis Goldberg sehr schmerzlich.

Aufklärung an den Schulen

Denis Goldberg war der vorletzte Überlebende der elf Angeklagten des Rivonia Prozesses, und er wollte diese historischen Erfahrungen weitergeben. Unermüdlich, bis seine schwere Krankheit ihn daran hinderte, reiste er um die Welt, um vor allem mit jungen Menschen seine Erfahrungen zu teilen. Über diese Arbeit war die GEW seit langem mit ihm verbunden. Auf seinen vielen Reisen auch nach Deutschland lernten wir ihn kennen und schätzen. Er hatte im Gefängnis Deutsch gelernt und wusste viele Schülerinnen und Schüler auch in Deutschland mit seinen den Jugendlichen zugewandten Reden, seinem Humor, seiner Gradlinigkeit und Bescheidenheit zu fesseln.

„Mir wurde beigebracht, Menschen zu respektieren.“ (Denis Goldberg)

In einem Interview in der taz antwortete er auf die Frage, warum er als Weißer, der alle Privilegien hatte, gegen die Apartheid gekämpft hat, sehr einfach: „Weil Apartheid falsch ist. Und ich war nicht der einzige Weiße, der so gedacht hat. Es waren Hunderte Weiße in Kirchen oder Gewerkschaften organisiert. Meine Eltern waren Kommunisten. Mir wurde beigebracht, Menschen zu respektieren. Meine Helden aus dem Zweiten Weltkrieg waren die Partisanen, die hinter den feindlichen Linien gekämpft haben. Und auch in Nazideutschland gab es Widerstand, Menschen, die ihr Leben für Freiheit riskiert haben. Weil Freiheit wichtiger ist. Ich wusste, dass auch ich das tun würde, sollte es nötig sein. Nur stillzuhalten, ist nicht genug. Du bist immer noch ein Teil davon, schuldig. Ich wollte nicht schuldig sein.“

Diese klare Haltung beeindruckte die Jugendlichen, mit denen er sprach.

Soziales Engagement in Südafrika

Die GEW-Delegation beim Weltkongress der Bildungsinternationale in Kapstadt 2011 hatte die Gelegenheit, einen Abend mit Denis Goldberg in seinem Wohnort Hout Bay zu verbringen und dort mit ihm Musik- und Tanzdarbietungen von Kindern und Jugendlichen zu sehen, mit ihm zu essen, zu reden und zu tanzen.

In Hout Bay war er seit Jahrzehnten aktiv engagiert, vor allem sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Bildung, Kultur, Musik und Tanz zu vermitteln und so daran mitzuarbeiten, der südafrikanischen Jugend eine Zukunft zu geben. Er gründete dafür eine Stiftung: „House of Hope“. Das war für ihn ein wichtiger Beitrag, ein besseres Südafrika zu schaffen, ein Kampf, dem sich Denis Goldberg sein gesamtes Leben lang verschrieben hat.

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