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5000 Lehrkräfte in Sachsen im Streik

Mehr als 5.000 Lehrerinnen und Lehrer haben in der Region Dresden ihre Arbeit niedergelegt, um für ihr Recht auf Altersteilzeit und mehr Geld für zusätzliches Lehrpersonal zu demonstrieren. Insgesamt wurden 80 Prozent der Schulen im Einzugsgebiet bestreikt. Die Beteiligung der Lehrkräfte war mit ebenfalls 80 Prozent sehr hoch. Morgen und übermorgen soll es in den anderen Landesteilen weitergehen.

14.11.2012

Fotos: Claus Scharschuch

Zum bereits zweiten Warnstreik im laufenden Schuljahr hatte die sächsische GEW gemeinsam mit der dbb tarifunion aufgerufen, nachdem die Regierung die Aufnahme von Tarifverhandlungen zur Altersteilzeit im Rahmen eines Demografie-Tarifvertrages erneut abgelehnt hatte.

„Die Kolleginnen und Kollegen sind sehr wütend darüber, dass die sächsische Landesregierung trotz der unerwartet hohen Steuereinnahmen nicht bereit ist, etwas für die Lehrkräfte des Landes und die Verbesserung des Unterrichts zu tun“, erklärte Jürgen Thamm von der GEW Sachsen im Anschluss an die zentrale Kundgebung in Dresden, an der am Vormittag allein 3.000 Lehrerinnen und Lehrer teilnahmen. Die Forderung nach Altersteilzeit begründet Thamm nicht nur damit, dass sich viele Lehrkräfte Jahrzehnte abgearbeitet hätten, „um Sachsen zum Bildungsland Nummer 1 zu machen“, sondern auch mit dem hohen Altersdurchschnitt des Lehrpersonals im Freistaat. In einem alternden Kollegium, in dem mehr als die Hälfte der Lehrkräfte über 50 Jahre alt sind, biete die Altersteilzeit den „idealen Moment, um neue Kolleginnen und Kollegen einzuarbeiten“.

An der Bereitschaft, neue Lehrkräfte einzustellen, fehlt es jedoch der schwarz-gelben Staatsregierung. Von den geplanten Mehrausgaben von knapp 280 Millionen Euro im Doppelhaushalt 2013/14 sollen lediglich neun Millionen Euro an die Lehrkräfte des Landes gehen. Die Einstellung zusätzlicher Lehrkräfte ist nicht geplant. Statt an dem immer dramatischer werdenden Lehrermangel etwas zu ändern, macht sich Kultusministerin Brunhild Kurth das Defizit zunutze: So begründet die Ministerin ihre Ablehnung der Altersteilzeit damit, dass es im Freistaat nicht genügend Lehrkräfte gebe, um die durch die Teilzeit entstehenden Lücken zu füllen.

Kundgebung in Dresden: Impressionen – auch die ehemalige GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange besuchte die Streikenden (letztes Foto, im Bild rechts). Fotos: Claus Scharschuch

Der von der GEW-Landesvorsitzenden Sabine Gerold geforderten Aufnahme von Tarifverhandlungen stehen Kurth und Finanzminister Georg Unland daher ablehnend gegenüber. Unland habe die Gewerkschaft lediglich zu einem „völlig unmotivierten Gespräch“ eingeladen, dass ausdrücklich außerhalb von Tarifverhandlungen und Sondierungsgesprächen stattfinden sollte, berichtete GEW-Mann Thamm. „Aber das reicht uns nicht“, so der Gewerkschafter.

Für morgen und übermorgen sind nun weitere Warnstreiks im Raum Chemnitz und in den Regionen Leipzig, Bautzen und Zwickau geplant. „Sollte sich der Finanzminister dann immer noch Tarifgesprächen zur Altersteilzeit verweigern, werden weitere Aktionen folgen“, kündigte die Landesvorsitzende Gerold an. „Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht – wir sind zum Kampf entschlossen“, unterstrich auch Thamm.

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