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WSI-Arbeitskampfbilanz 20181,2 Millionen Streikende

2018 ist mit Blick auf Streiks ein Rekordjahr gewesen: Das WSI hat knapp 1,2 Millionen Streikende und rund eine Million Ausfalltage registriert. International liegt Deutschland damit aber nur im unteren Mittelfeld.

01.04.2019

2018 sind in Deutschland durch Arbeitskämpfe rund eine Millionen Arbeitstage ausgefallen. Damit habe sich das Arbeitskampfvolumen im Vergleich zum Vorjahr (238.000 Ausfalltage) mehr als vervierfacht, teilte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung mit. Die Streikbeteiligung stieg von 131.000 im Jahr 2017 auf knapp 1,2 Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in 2018.

„Ausschlaggebend für die deutlichen Anstiege bei Streikbeteiligung und Ausfalltagen waren die umfangreichen Streikaktionen während der Metall-Tarifrunde im vergangenen Jahr. Allein auf diesen Arbeitskampf entfielen rund 60 Prozent aller Ausfalltage sowie mehr als drei Viertel aller Streikbeteiligten des Jahres 2018“, erklärte WSI-Arbeitskampfexperte Heiner Dribbusch. Größere Warnstreiks begleiteten außerdem die Tarifrunde für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen. 

Besondere Aufmerksamkeit erhielt 2018 beispielsweise auch der von wiederholten Arbeitsniederlegungen begleitete Streik der wissenschaftlichen Hilfskräfte an den Hochschulen in Berlin, die unterstützt von der GEW und ver.di nach eineinhalb Jahren Verhandlungen und 40 Streiktagen einen neuen Tarifvertrag erstritten. 

 

International: Deutschland im unteren Mittelfeld

In der internationalen Streikstatistik liegt Deutschland nach wie vor im unteren Mittelfeld. Nach WSI-Schätzung fielen hierzulande zwischen 2008 und 2017 im Jahresdurchschnitt pro 1.000 Beschäftigte rechnerisch 16 Arbeitstage aus. In Dänemark waren es im gleichen Zeitraum 116, in Frankreichs Privatwirtschaft 118 Ausfalltage. Auch in Belgien, Kanada, Spanien und Norwegen fallen deutlich mehr Arbeitstage durch Arbeitskämpfe aus. Ein niedrigeres Streikvolumen als in Deutschland findet sich in Polen, Schweden, Österreich und der Schweiz. In Italien und Griechenland wird seit längerem keine Statistik mehr geführt.

„Das Arbeitskampfjahr 2018 ist nicht nur von außergewöhnlichen Auseinandersetzungen geprägt, sondern auch mit tarifpolitischen Erfolgen der Gewerkschaften verbunden.“ (Heiner Dribbusch)

Insgesamt zählte das WSI im abgelaufenen Jahr 216 unterschiedliche von Streiks begleitete Auseinandersetzungen. Die Mehrzahl davon waren wie in den Jahren zuvor Arbeitskämpfe um Haus- und Firmentarifverträge. Zum ersten Mal seit 2008 fand sich die Mehrheit aller Auseinandersetzungen nicht im Dienstleistungsbereich, sondern im produzierenden Gewerbe. Die mit Abstand meisten dieser Arbeitskämpfe fanden im Organisationsbereich der IG Metall statt, gefolgt von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

„Das Arbeitskampfjahr 2018 ist nicht nur von außergewöhnlichen Auseinandersetzungen geprägt, sondern auch mit tarifpolitischen Erfolgen der Gewerkschaften verbunden“, bilanzierte Dribbusch. Die größte Aufmerksamkeit erzielte die Forderung, Beschäftigten eine stärker selbstbestimmte Ausgestaltung der Arbeitszeit zu ermöglichen und sich statt einer Entgelterhöhung für mehr freie Zeit zu entscheiden. Die IG Metall erreichte, dass Beschäftigte zeitlich befristet in Teilzeit wechseln und danach in Vollzeit zurückkehren können. Für Schichtarbeiterinnen und Schichtarbeiter sowie Beschäftigte mit Kindern oder zu pflegenden Angehörigen wurde ein Modell eingeführt, bei dem zwischen einem tariflichen Zusatzentgelt oder acht freien Tagen gewählt werden kann. 

Für das Jahr 2019 rechnen die Fachleute wieder mit einem deutlichen Rückgang des bundesweiten Streikvolumens. Die Arbeitskampfbilanz des WSI ist eine Schätzung auf Basis von Gewerkschaftsangaben, Pressemeldungen und eigenen Recherchen. 

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