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FREE, SAFE, EDUCATED 100 Million Kampagne gegen Kinderarbeit

Auf viel Zuspruch stieß in Berlin bei einem Treffen von Jugendlichen und Politikern die 100 Million Kampagne zur Beendigung von Kinderarbeit, die vom indischen Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi ins Leben gerufen wurde.

10.11.2018 - Manfred Brinkmann

Ministerielle Unterstützung für 100 Million Kampagne
Gerd Müller musste nicht groß überzeugt werden. Bei der Gesprächsrunde von Brot für die Welt und GEW am 7. November 2018 zum Auftakt der 100 Million Kampagne in Deutschland begrüßte der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ausdrücklich die Forderungen der Jugendlichen nach mehr Einsatz für Kinderrechte und für ein Ende von Kinderarbeit. „Ich finde es richtig, dass junge Menschen dafür ihre Stimme erheben“, so Minister Müller. Es sei an der Zeit, sich Schritte zu überlegen, wie man gesetzgeberisch handeln könne. Die Erfahrungen des von ihm initiierten Textilbündnisses für gute Arbeitsbedingungen in der weltweiten Bekleidungsindustrie hätten gezeigt, dass Freiwilligkeit allein nicht ausreiche, sondern zu oft in Appellen ende. Müller schlug den anwesenden Bundestagsabgeordneten von SPD, FDP, Grünen und Linkspartei einen parteiübergreifenden Antrag zu Kinderarbeit vor.

Millionen Kinder auf der Flucht
Auch die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung und SPD-Abgeordnete, Bärbel Kofler, sprach sich für verbindlichere Regelungen aus. Kofler informierte über den nationalen ‚Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte‘ der Bundesregierung, der auf die Einhaltung von Menschenrechten in globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten abzielt. Darin werde neben der Schutzpflicht des Staates auch die Verantwortung von Unternehmen für die Menschenrechte benannt. Bundestagsvizepräsidentin und Grünen-Abgeordnete Claudia Roth verwies auf über siebzig Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, darunter viele Kinder, die nicht zur Schule gehen können.  Sie unterstütze deshalb die Forderungen der 100 Million Kampagne nach einer Zukunft, die für alle Kinder „free, safe, educated“ sein müsse. Für Roth gibt es einen Zusammenhang von Armut und Kinderarbeit. Armutsbekämpfung und die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention seien daher wichtige Ansätze zur Überwindung von Kinderarbeit.

Mit Kinderarbeit wird Geld verdient
Gyde Jensen, FDP-Abgeordnete und Vorsitzende im Menschenrechtsauschuss des Bundestags, unterstrich die Bedeutung der Kinderrechte und schlug eine aktuelle Stunde im Bundestag vor. Statt neuer Gesetze, um Konzerne bei Verstößen gegen Menschenrechte zur Rechenschaft zu ziehen, sprach sie sich für ein System positiver Anreize aus, um die Menschenrechtsverantwortung von Unternehmen zu fördern. Stefan Liebich, außenpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, warf die Frage auf, warum es bisher keine gesetzlichen Verpflichtungen gebe, wo alle doch einig in der Verurteilung von Kinderarbeit seien. Das liege an Interessen, so Liebig, über die man offen spreche müsse. Mit Kinderarbeit werde Geld verdient. Wer hier etwas ändern wolle, müsse bereit sein, sich auch mit Unternehmen anzulegen, die an der Ausbeutung von Kindern profitieren.

Info: Die internationale 100 Million Kampagne des Friedensnobelpreisträgers Kailash Satyarthi wird in Deutschland von Brot für die Welt und der GEW unterstützt. Die Kampagne tritt dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen weltweit in Freiheit und Sicherheit aufwachsen und eine Schule besuchen können. Für diese Forderungen will 100 Million vom 12. bis 18. November 2018 während einer globalen Aktionswoche in zahlreichen Ländern werben und öffentlich Druck machen. Dafür stehen Schul- und Aktionsmaterialien in mehreren Sprachen sowie der preisgekrönte Dokumentarfilm „The Price of Free“ zur Verfügung.  Der Film erzählt Geschichten von Kindern, die Kailash Satyarthi aus ausbeuterischer Arbeit befreit hat. Er wird Schulen, Universitäten und Jugendverbänden am 14. November kostenlos als Teil der globalen Aktionswoche zur Verfügung stehen.

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