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Ukraine-Krieg und Corona-Krise

Neues Schuljahr – Das muss jetzt passieren

Sind die Schulen im kommenden Schuljahr ausreichend auf die Integration von Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine sowie eine mögliche neue Corona-Welle vorbereitet? GEW-Chefin Maike Finnern ist skeptisch.

"Mit Blick auf das kommende Schuljahr muss sichergestellt werden, dass die Kinder und Jugendlichen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, in den Regelunterricht an den Schulen in Deutschland integriert werden", fordert die GEW. (Foto: GEW/Shutterstock)

Rund fünf Wochen vor Beginn der Ferien in den ersten Bundesländern mahnt die GEW, bereits jetzt Vorkehrungen für das neue Schuljahr zu treffen. Es brauche mehr Tempo und mehr Anstrengungen, um geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine in den normalen Unterricht zu integrieren. Die Bundesländer bereiteten sich nur sehr vereinzelt auf die neuen Aufgaben vor. Gleichzeitig stellten sich Lehrkräfte die Frage, wie es mit Hygienekonzepten gegen das Coronavirus weitergeht. Die Politik dürfe die Schulen mit diesen Herausforderungen nicht alleine lassen, sagt GEW-Chefin Maike Finnern.

„Herkulesaufgabe“ für Schulen

„Bisher ist keine Lösung für das neue Schuljahr in Sicht, wenn die Zahl der geflüchteten Kinder und Jugendlichen möglicherweise noch viel höher sein wird“, sagte die GEW-Vorsitzende dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Allein geeignete Räumlichkeiten bereitzustellen, sei vielerorts eine Herkulesaufgabe. Dass systematisch nicht-schulische Räume und zivilgesellschaftliche Kapazitäten gesucht würden, sei derzeit nicht zu beobachten, so Finnern.

„Willkommens-, Intensiv- oder Sprachklassen sind eine Übergangslösung.“ (Maike Finnern)

„Mit Blick auf das kommende Schuljahr muss sichergestellt werden, dass die Kinder und Jugendlichen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, in den Regelunterricht an den Schulen in Deutschland integriert werden“, sagte Finnern. „Derzeit erreichen die GEW noch viel zu oft Informationen, dass es lange Wartelisten gibt.“

Nach den traumatischen Kriegs- und Fluchterfahrungen sei es wichtig, den Kindern und Jugendlichen wieder Normalität anzubieten und den sozialen Kontakt zu Gleichaltrigen zu ermöglichen. „Das klappt jedoch nur, wenn Regel-, Sprach- und Willkommensklassen nicht dauerhaft völlig überfüllt sind und die Fördermaßnahmen längerfristig laufen.“ Schulen und Lehrkräfte könnten die Situation kurzzeitig stemmen, erwarteten aber zurecht mehr Unterstützung für ihre Arbeit.

  • Geeignete Unterrichtsräume bereitstellen: Bundesländer müssen systematisch nicht-schulische Räume zur Verfügung stellen und zivilgesellschaftliche Kapazitäten nutzen,
  • Willkommens-, Intensiv- und Sprachklassen für den Einstieg einrichten
  • Normalität und Kontakt zu Gleichaltrigen fördern
  • Lehrkräfte unterstützen
  • Unterricht in der Herkunftssprache anbieten
  • Multiprofessionelle Teams einführen
  • Förderangebote zum Deutschlernen intensivieren
  • Ukrainische pädagogische Fachkräfte für Berufsausübung qualifizieren

Unterricht auf Ukrainisch anbieten

Die GEW fordert zudem, den aus der Ukraine geflüchteten Schülerinnen und Schülern flächendeckend auch Unterricht in ihrer Herkunftssprache anzubieten. Dazu benötigten die Schulen dringend Unterstützung, insbesondere multiprofessionelle Teams, in denen Lehrkräfte für Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache, Erzieherinnen und Erzieher, Sozialarbeiterinnen und -arbeiter, Schulpsychologinnen und -psychologen, Traumata-Fachleute sowie Dolmetscherinnen und Dolmetscher mit den Lehrerinnen und Lehrern zusammenarbeiteten. 

„Auch für Förderangebote, die deutsche Sprache zu erlernen, sieht es nicht gut aus.“ (Maike Finnern)

Finnern ist aktuell derweil skeptisch, dass dieses Ziel erreicht werde. „Die Bundesländer treffen nur sehr vereinzelt Vorbereitungen. Auch für Förderangebote, die deutsche Sprache zu erlernen, sieht es nicht gut aus“, sagte sie.

Die Bildungsgewerkschaft verlangt daher auch, dass aus der Ukraine geflüchtete pädagogische Fachkräfte unbürokratisch und schnell niedrigschwellige Angebote zur Beschäftigung in ihren Berufen und für (Weiter-) Qualifizierungen erhalten. 

Auf nächste Corona-Welle vorbereiten

Darüber hinaus mahnt die GEW die Politik, auch die Herausforderungen durch die Corona-Pandemie nicht zu vergessen und die Schulen so auszustatten, dass diese bei einer möglichen neuen Welle im Herbst weiter Präsenzunterricht anbieten könnten. „Deshalb gilt es, keine Zeit zu verlieren“, sagte Finnern der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

„Eine gute Teststrategie und das Tragen von Masken in den Gebäuden können dabei auch zukünftig eine entscheidende Rolle spielen. Dafür müssen jetzt die gesetzlichen Grundlagen etwa für eine Maskenpflicht geschaffen werden, damit Maßnahmen bei Bedarf schnell und rechtssicher greifen können.“

Bund, Länder und Kommunen müssten auch endlich dafür zu sorgen, dass an allen Schulen Luftfilteranlagen eingebaut würden. Die fast zum Erliegen gekommene Impfkampagne müsse wieder intensiviert werden.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte sich schon im April dafür ausgesprochen, das Infektionsschutzgesetz bis zum Herbst so zu ändern, dass es wieder die bekannten Eindämmungsmaßnahmen ermöglicht.

  • Ziel: Präsenzunterricht ermöglichen
  • Teststrategie etablieren
  • Gesetzliche Grundlage für Maskenpflicht schaffen
  • Flächendeckend Luftfilteranlagen einbauen
  • Impfkampagne intensivieren