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Bundestagswahl 2021So lässt sich der Fachkräftemangel beenden

Eines der größten Probleme im Bildungswesen sind die fehlenden Fachkräfte in allen Bereichen. Die GEW fordert daher im Bundestagswahlkampf: Ausbildungskapazitäten hochfahren und Bildungsberufe attraktiver machen!

02.09.2021

Kündigungswelle in Berlin: Rund 700 ausgebildete Lehrkräfte hat die Hauptstadt laut Medienberichten zum neuen Schuljahr verloren. Inzwischen seien rund ein Viertel der gut 33.000 Berliner Lehrkräfte Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, meldete der Newsletter „Tagesspiegel Checkpoint“ Ende Juli. Auf die Quer- folgten demnach zunehmend Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger, also sogenannte Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung. Doch auch damit könne der Bedarf nicht gedeckt werden, vor allem an Grundschulen fehlten Lehrkräfte – regulär ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen seien dort inzwischen in der Minderheit.

Flächendeckend fehlt Personal

Solche und ähnliche Schlagzeilen gibt es in der Bildungspolitik seit Jahren. Berlin ist kein Einzelfall und Fachkräftemangel kein Problem allein der Schulen. Auch in Kitas und im Hochschulbereich fehlt flächendeckend bundesweit Personal. Die GEW legte der Politik bereits im Jahr 2018 ein Zehn-Punkte-Programm gegen den Lehrkräftemangel vor. Bis heute ist der Problem jedoch ungelöst. Zahlreiche Studien warnen zudem, der Mangel werde sich – nicht nur an Schulen – in den kommenden Jahren noch verschärfen.

    Fakten und Forderungen

    Die Gründe sind zahlreich und reichen von stetig steigenden Anforderungen und Belastungen über eine ungleiche Bezahlung an den verschiedenen Schulformen sowie Ungerechtigkeiten zwischen angestellten und verbeamteten Lehrerinnen und Lehrern bis zur demografischen Entwicklung und fehlenden Ausbildungskapazitäten.

    Vor der Bundestagswahl am 26. September 2021 legt die GEW daher erneut einen Fokus auf das Thema, eine ihrer sechs Kernforderungen lautet: Fachkräftemangel beenden.

    Dieser lässt sich in konkreten Zahlen darstellen:

    • Schon vor der Corona-Krise berechnete das Forschungsinstitut Prognos, dass bis zum Jahr 2025 rund 190.000 Erzieherinnen und Erzieher fehlten.
    • Für eine qualitativ hochwertige Ganztagsgrundschule werden mindestens 50.000 zusätzliche Lehrkräfte benötigt. In den allgemeinbildenden Schulen beläuft sich diese Zahl auf 40.000, in den berufsbildenden Schulen wird sie bis 2030 sogar auf knapp 160.000 geschätzt.
    • Die Zahl der Studierenden ist von 2002 bis 2018 um rund 50 Prozent auf 2,9 Millionen gestiegen, die der Professorinnen und Professoren dagegen nur um etwa 26 Prozent, von 38.000 auf 48.000. An den Universitäten kommen somit auf eine Professorin oder einen Professor über 60 Studierende. 

    Zugleich macht die Bildungsgewerkschaft Vorschläge zur Lösung der Probleme, bei denen Bund, Länder und Kommunen gemeinsam gefragt sind:

    • Studien- und Ausbildungsplätze im Vorbereitungsdienst sowie berufsbegleitende Ausbildungsangebote ausbauen
    • Arbeitsbedingungen verbessern und zur Entlastung von Lehrkräften multiprofessionelle Teams bilden sowie Verwaltungs- und IT-Fachkräfte einstellen
    • Qualifizierungsstrategien für Quer- und Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger anbieten
    • Fachkräfteoffensive des Bundesfamilienministeriums ausbauen und verstetigen – insbesondere die Praxisintegrierte Ausbildung (PiA) zur Erzieherin bzw. zum Erzieher
    • kindheitspädagogische Studiengänge ausbauen und fördern 
    • Konzept gegen den Fachkräftemangel in Jugendhilfe und -Sozialarbeit entwickeln