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Fachkräftemangel in der Kita

Arbeitsbedingungen und Ausbildungssituation verbessern!

In Deutschlands Kitas fehlen laut einer Studie mehr als zwei Fachkräfte pro Einrichtung, oft sogar mehr. Zugleich wollen einer weiteren Befragung zufolge viele Kita-Beschäftigte weniger arbeiten. Die GEW fordert, die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Der Erzieherberuf hat stark an Bedeutung gewonnen, aber Personalmangel gefährdet die Qualität der Bildungsarbeit und die Attraktivität des Berufs. (Foto: Dominik Buschardt)

Während in den Kitas offenbar mehr Fachkräfte fehlen als in der Politik angenommen, wollen viele der dort Beschäftigten ihre Arbeitszeit verkürzen. Laut dem Kita-Bericht 2024 des Paritätischen Gesamtverbandes fehlen aktuell 125.000 Fachkräften im gesamten Bereich der Kindertagesbetreuung; Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) sprach jüngst von 50.000 bis 90.000 fehlenden Fachkräften in den Kitas bis 2030. Noch akuter könnte der Personalmangel durch eine weitere Entwicklung werden: Einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Pilotstudie zufolge wollen 45 Prozent der Befragten ihre Arbeitszeit weiter reduzieren. Die GEW sieht die Politik in der Pflicht, die Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen zu verbessern. 

Belastungsfaktor Personalengpässe

Weitere Zahlen aus der Pilotstudie „Nur Teilzeit in der Kita? Arbeitszeitumfänge und Beschäftigungspotentiale in der Kindertagesbetreuung“ (TeKit): Nur sieben Prozent der Befragten würden aufstocken. Von 56 Prozent der Teilzeitbeschäftigten wünschen sich lediglich 1,8 Prozent einen Vollzeitvertrag. Von den befragten Vollzeit-Kräften möchten rund 57 Prozent ihre Arbeitszeit reduzieren. Als Belastungsfaktoren nannten die Teilnehmenden Personalengpässe, steigende Betreuungsumfänge und Bedarfslagen von Kindern.

„Die Arbeitsbedingungen müssen dringend verbessert werden, um einer weiten Reduzierung der Arbeitszeit entgegenzuwirken.“ (Doreen Siebernik)

„Wir haben nicht viel erwartet, aber das ist schon erschreckend. Anstatt einer Chance, dass die Beschäftigten in den Kitas ihre Arbeitszeit aufstocken könnten, sehen wir nun, dass fast die Hälfte noch weniger arbeiten will – auch aufgrund der hohen Belastungen“, kommentierte Doreen Siebernik, GEW Vorstandsmitglied für Jugendhilfe und Sozialarbeit. „Die Arbeitsbedingungen müssen dringend verbessert werden, um einer weiten Reduzierung der Arbeitszeit entgegenzuwirken. Die Ampelregierung muss in ihrem Haushaltsentwurf für das kommende Jahr die dringend benötigten Mittel für das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz bereitstellen und zwingend in die frühkindliche Bildung investieren.“

Ausbildung verbessern

Juliane Meinhold, die Leiterin für soziale Arbeit beim Paritätischen Gesamtverband, sagte: „Personalmangel führt zu zusätzlichen Überstunden und einer zunehmenden Überlastung der vorhandenen Mitarbeiter*innen. Damit drohen weitere Personalausfälle.“ Die Kinder hätten das Nachsehen, weil Aktivitäten und Förderung eingeschränkt würden. 

Mit dem sogenannten Gute-Kita-Gesetz habe der Bund ab dem Jahr 2019 die Hoffnung geweckt, dass sich die Situation in Kindertageseinrichtungen flächendeckend verbessern könnte. Der Kita-Bericht zeige aber, dass sich zwischen 2021 und 2023 die Rahmenbedingungen in den meisten Kitas verschlechtert hätten, insbesondere weil sich der Fachkräftemangel als große Belastung erweise. 

Der Paritätische Gesamtverband forderte, mehr Fachkräfte durch bessere Rahmenbedingungen in der Ausbildung zu gewinnen. So sollte grundsätzlich kein Schulgeld mehr gezahlt werden müssen, die Anrechnung von Auszubildenden auf den Personalschlüssel müsse aufhören. Diese Forderungen unterstützt auch die GEW. 

Für die Studie „Nur Teilzeit in der Kita?“ wurden 1.215 Personen aus vier Bundesländern befragt. Rund 77 Prozent der Fachkräfte ohne Leitungsaufgaben arbeiten in Teilzeit, wobei eine Wochenarbeitszeit zwischen 21 und 32 Stunden überwiegt.