Zum Inhalt springen

#GEWTAG22

Antifaschistische Frau für neuen Stiftungsnamen gesucht

Nach einigen Jahren teils hitziger Debatten soll die Max-Traeger-Stiftung nach einer antifaschistisch engagierten Frau benannt werden. Für das Verfahren wird der Hauptvorstand zuständig sein.

Auf dem Gewerkschaftstag vom 21. bis 24. Juni in Leipzig hat die GEW beschlossen, die Max-Traeger-Stiftung umzubenennen (Foto: Kay Herschelmann).

Nach vielen emotionalen Streitgesprächen um die Rolle Max Traegers in den Vor- und Nachkriegsjahren sowie der NS-Zeit soll die nach dem ersten Vorsitzenden der GEW benannte Studienstiftung umbenannt werden. Einen neuen Namen gibt es noch nicht. Der außerordentliche Gewerkschaftstag beschloss am Freitag in Leipzig jedoch, die Stiftung solle nach einer Frau benannt werden, „die mit ihrem antifaschistischen Engagement vorbildhaft für den Förderungszweck ist“. Das Verfahren soll der Hauptvorstand regeln.

Der Name der Max-Traeger-Stiftung (MTS) war seit einigen Jahren wegen Traegers Mitgliedschaft im Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) umstritten, insbesondere bei jüngeren Gewerkschaftsmitgliedern. 2017 veröffentlichte der ehemalige Vorsitzende der GEW Hamburg, Peter de Lorent, die erste wissenschaftlich fundierte Biografie Traegers, kommt darin jedoch zu dem Schluss, dass Traegers NSLB-Mitgliedschaft kein Beleg für eine nationalsozialistische Gesinnung sei.

Hauptvorstand wird beraten

Die GEW-Vorsitzende Maike Finnern hatte in der Aussprache dafür geworben, sich nicht auf eine neue Namensgeberin festzulegen, sondern die Stiftung nach ihrem Forschungsinhalt zu benennen. Zudem hatte sie dazu aufgerufen, die Debatte in Ruhe und nicht „in einer Minute Redezeit“ zu führen. Hauptvorstandsmitglieder wie Frauke Gützkow und Andreas Keller sowie der Berliner Landesvorsitzende Tom Erdmann schlossen sich dieser Bitte an. Die Mehrheit der Delegierten folgte ihren Appellen aber nicht.

Ungeachtet dessen zeigte die Diskussion auf dem Gewerkschaftstag, dass der Streit um die MTS an Schärfe verloren hat. Mehrere Delegierte betonten, sie seien froh, dass nicht mehr darum gerungen werde, ob die Stiftung umbenannt werde, sondern dass es nun um die Frage nach dem Wie gehe.

Der bisherige Namensgeber Max Traeger hatte nach der Befreiung vom Faschismus die GEW federführend mit aufgebaut und geholfen, diese in den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zu überführen. Von 1947 bis 1952 war er erster Vorsitzender der GEW und wurde 1958 noch einmal gewählt. Er stand bis zu seinem Tod 1960 an der Spitze der Gewerkschaft.

Die MTS wurde 1960 gegründet. Sie fördert Forschungsprojekte und wissenschaftliche Publikationen zu Themen der Bildung. Heinrich Rodenstein, zweiter Vorsitzender der GEW, hatte veranlasst, dass die Stiftung nach Traeger benannt wurde.

Die beschlossenen Anträge lagen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Textes noch nicht in der finalen Fassung vor. Sie werden im Laufe der kommenden Tage hier veröffentlicht.