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GEW: „Nicht zurücklehnen, sondern nachlegen!“

21.09.2017

Bildungsgewerkschaft zum Start des Bund-Länder-Programms wissenschaftlicher Nachwuchs

Frankfurt a. M. – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erhofft sich vom heute gestarteten Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses einen Impuls für weitere Maßnahmen, Karrierewege zu reformieren und die Beschäftigungsbedingungen in der Wissenschaft zu verbessern. „Gut, dass heute der Startschuss für einen Nachwuchs-Pakt fällt, den die GEW bereits 2013 vorgeschlagen hatte. Bund und Länder dürfen sich jetzt aber nicht zurücklehnen, sondern müssen nachlegen: Das Programm muss aufgestockt und um eine Entfristungsoffensive im akademischen Mittelbau ergänzt werden“, sagte der stellvertretende GEW-Vorsitzende und Hochschulexperte, Andreas Keller, am Donnerstag in Frankfurt a.M.

„1.000 neue Tenure-Track-Professuren sind gut – aber sie decken den tatsächlichen Bedarf an den Hochschulen nicht. Wir brauchen allein an den Universitäten 5.000 zusätzliche Tenure-Track-Professuren und 40.000 zusätzliche Dauerstellen im akademischen Mittelbau. Nur so werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verlässliche Karriereperspektiven eröffnet, nur so wird die Betreuungsrelation zwischen Studierenden und Lehrenden verbessert“, mahnte der GEW-Vize. Dabei bezog er sich auf die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Expertise des Instituts für Hochschulforschung an der Universität Halle-Wittenberg, die die GEW-nahe Max-Traeger-Stiftung gefördert hat. An die politischen Parteien appellierte er, die Weichen unmittelbar nach der Bundestagswahl zu stellen.

Die 34 Universitäten, die in der ersten Bewilligungsrunde gefördert werden, rief Keller auf, das Programm als Chance für eine umfassende Erneuerung von Karrierewegen und Personalstruktur zu nutzen. „Ich gratuliere allen Universitäten, die in der ersten Runde ausgewählt wurden. Voraussetzung für die Förderung war die Vorlage eines Gesamtkonzepts zur Personalentwicklung. Die Konzepte müssen jetzt umgesetzt, das Bund-Länder-Programm mit Leben gefüllt werden“, betonte der GEW-Hochschulexperte. Über die aus dem Programm finanzierten Stellen hinaus müsse die gesamte Universität von stabileren Beschäftigungsbedingungen, verlässlicheren Karrierewegen und einer besseren Vereinbarkeit von Familie und wissenschaftlicher Qualifizierung profitieren. „Das setzt voraus, dass die Personalkonzepte nicht gegen, sondern mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern umgesetzt werden: Vertreterinnen und Vertreter der GEW in Universitätsgremien und Personalvertretungen stehen vor Ort als kritische Ratgeber zur Verfügung“, unterstrich Keller.

Info: Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern hat heute die Auswahlergebnisse der ersten Bewilligungsrunde des Bund-Länder-Programms zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses vorgestellt. Dafür wird für die Jahre 2017 bis 2032 insgesamt eine Milliarde Euro für 1.000 zusätzliche Tenure-Track-Professuren bereitgestellt: www.gwk-bonn.de/ . In der ersten Runde werden an 34 Universitäten 468 zusätzliche Tenure Track-Professuren gefördert.

Auf einer Tenure-Track-Professur qualifizieren sich promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für den Hochschullehrerberuf auf einer Lebenszeit-Professur. Erreichen sie die mit der Universität vereinbarten Ziele in Forschung und Lehre, wird ihre Stelle entfristet.

Die GEW hat 2013 in ihrem „Köpenicker Appell“ ein „Förderprogramm für verlässliche Karrierewege in der Wissenschaft“ vorgeschlagen.

Auf Grundlage von Berechnungen des Instituts für Hochschulforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat die GEW 2016 in ihrer „Wittenberger Erklärung“ 5.000 zusätzliche Tenure-Track-Professuren an Universitäten und weitere 500 an Fachhochschulen gefordert. Außerdem hat sie eine Entfristungsoffensive für 40.000 zusätzliche Dauerstellen im akademischen Mittelbau an Universitäten und weitere 10.000 an Fachhochschulen vorgeschlagen.

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