Sie sind hier:

GEW: „Befristungsunwesen bedroht akademische Freiheit“

03.11.2017

Bildungsgewerkschaft zum 20. Jahrestag der UNESCO-Empfehlungen zum Hochschulpersonal

Frankfurt a.M. - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Bund, Länder und Hochschulen aufgefordert, die vor 20 Jahren verabschiedeten UNESCO-Empfehlungen zum Status des Lehrpersonals an Hochschulen ernster zu nehmen und konsequent umzusetzen. „Wenn neun von zehn wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern befristet beschäftigt sind und selbst immer mehr Hochschullehrerinnen und -lehrer zunächst auf Zeit berufen werden, gefährdet das nicht nur die Qualität von Forschung und Lehre. Es bedroht auch die akademische Freiheit. Wer ständig um die Verlängerung seines Arbeitsvertrages zittern muss, droht zum angepassten Duckmäuser zu werden. Kurzzeitverträge von in der Regel weniger als einem Jahr erschweren außerdem die aktive Mitarbeit in der akademischen Selbstverwaltung. Auch deshalb ist die Beschäftigungssicherheit zu Recht einer der Schwerpunkte der 1997 vorgelegten Empfehlungen“, erklärte Andreas Keller, stellvertretender GEW-Vorsitzender und Hochschulexperte, am Freitag in Frankfurt a.M.

Alarmierend sei, dass die Empfehlungen der Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturorganisation der Vereinten Nationen viel zu wenig bekannt sind, betonte Keller. Zu diesem Ergebnis sei die US-amerikanische Hochschulforscherin Nelly Stromquist in einem Bericht gekommen, den die Bildungsinternationale (Education International), die weltweite Dachorganisation der Bildungsgewerkschaften, mit Blick auf die Beratungen der UNESCO-Generalversammlung jetzt in Paris vorgelegt hat. Keller rief die Wissenschaftsministerien der Länder auf, die an ihren Hochschulen tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über ihre Rechte aus den UNESCO-Empfehlungen zu informieren und auf das Beschwerdeverfahren bei Rechtsverstößen aufmerksam zu machen. „Die Freiheit von Forschung und Lehre ist ein hohes Gut. Wenn Hochschulen ihre Aufgaben in Forschung und Lehre nur noch erledigen können, solange sie erfolgreich Drittmittel einwerben, erzeugt dies einen Druck, sich den Interessen externer Geldgeber anzupassen. Deshalb brauchen wir einen Ausbau der Grundfinanzierung der Hochschulen und mehr Dauerstellen für Daueraufgaben“, unterstrich Keller.

Info:
Für die Überwachung der Einhaltung der Empfehlungen ist ein besonderes Expertenkomitee (Committee of Experts on the Application of the Recommendations concerning Teaching Personnel – CEART) verantwortlich, das alle drei Jahre einen Bericht vorlegt.

Zurück