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Equal Care Day

Sorgearbeit bleibt ungleich verteilt

In der theoretischen Vorstellung sind sich Frauen und Männer einig, dass in Partnerschaften Erwerbstätigkeit und Kinderbetreuung gleichberechtigt aufgeteilt werden sollten. In der Praxis sieht es jedoch oft anders aus.

Foto: Pixabay / CC0

Die primäre Verantwortung für die Kinderbetreuung liegt nach wie vor überwiegend bei den Müttern, selbst wenn diese berufstätig sind. Nach verstärkter Beteiligung der Väter zu Beginn der Corona-Pandemie nahm deren Engagement mittlerweile ab. In der theoretischen Vorstellung sind sich Frauen und Männer zwar einig, dass in Partnerschaften Erwerbstätigkeit und Kinderbetreuung gleichberechtigt aufgeteilt werden sollten. In der Praxis sieht es jedoch oft anders aus. Das zeigt eine Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung anlässlich des Equal Care Days am 29. Februar und des Internationalen Frauentags am 8. März.

Hauptlast liegt bei den Frauen

Im November 2023 gaben demnach zwei Drittel der Mütter, aber nur vier Prozent der Väter an, selber den überwiegenden Teil der Kinderbetreuung zu leisten. Während der Coronakrise hatten im April 2020 zwölf Prozent sowohl der Mütter als auch der Väter zu Protokoll gegeben, dass in ihrem Haushalt der Mann für den größten Anteil der Kinderbetreuung zuständig sei. Inzwischen liegt dieser Wer wieder ungefähr beim Vorkrisenniveau. WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch sagte. „In Bezug auf die Verteilung der Kinderbetreuung hat die Pandemie kaum etwas verändert. Die Hauptlast liegt immer noch bei den Frauen.“

„Es mangelt nicht an Erkenntnissen, sondern es fehlt der politische Gestaltungswillen.“ (Frauke Gützkow)

GEW-Vorstandsmitglied Frauke Gützkow, zuständig für Frauen-, Gleichstellungs-, Geschlechterpolitik, nannte die aktuellen Forschungsergebnisse erschreckend und besorgniserregend. „Es mangelt nicht an Erkenntnissen, sondern es fehlt der politische Gestaltungswillen“, betonte sie und nannte als Beispiele die Dauer der sogenannten Vätermonate beim Elterngeld, die Ablösung des Ehegattensplittings durch eine Individualbesteuerung oder den Ausbau der Kindertagesbetreuung.

Stereotype im Schulunterricht verändern

Mit Blick auf Geschlechterstereotypen und Rollenzuschreibungen betonte sie jedoch, diese seien veränderbar – auch und gerade im Schulunterricht. „Pädagogische Konzepte, die die Lebensplanung der Kinder und Jugendlichen thematisieren, die die Frage stellen, wie willst du es mit der Kinderbetreuung halten, bieten sich besonders in Schulprojekten zur Berufsorientierung an“, sagte sie.

Unterschiedliche Einschätzungen von Frauen und Männern 

Ein weiteres Ergebnis der WSI-Auswertungen: Die Einschätzungen von Vätern und Müttern driften stark auseinander. So waren im November des vergangenen Jahres 54 Prozent der Väter der Auffassung, dass die Mutter sich überwiegend um die Kinder kümmere. Von den Müttern sagten dies 68 Prozent. Von einer weitestgehend gleichberechtigten Arbeitsteilung berichteten 42 Prozent der Väter und 30 Prozent der Mütter.

Ähnlich ist es beim Mental Load, der Organisation von Sorgearbeit im Alltag und der Verantwortung dafür, etwa an das Geschenk für den nächsten Geburtstag, den Elternabend oder Vorsorgetermine zu denken. Während nur 33 Prozent der Frauen meinen, dass diese Arbeit gleich verteilt sei, sind es 66 Prozent der Männer. Frauen fühlen sich durch den Mental Load auch deutlich stärker belastet als Männer, was darauf hindeutet, dass auf sie tatsächlich der größere Teil dieser Arbeit entfällt.

Die WSI-Fachleute für Geschlechterungleichheit auf dem Arbeitsmarkt werteten für ihre Analyse zur Kinderbetreuung die Antworten von 476 Müttern und 693 Vätern aus, die erwerbstätig oder arbeitsuchend sind und minderjährige Kinder im Haushalt haben. Bei den Themen Geschlechterrollen sowie Mental Load bezogen sie zusätzlich die Antworten von 1787 Frauen und 2118 Männern ohne betreuungspflichtige Kinder ein. Die Befragung fand im November 2023 statt.