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Zeitverträge in der Wissenschaft – Debatte geht weiter

14.12.2011

Vor 14 Tagen fand im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages das öffentliche Fachgespräch zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) statt. Seitdem hat sich in unserem Kampf für die Stabilisierung der Beschäftigungsbedingungen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen einiges getan hat.

Bundestagsanhörung: Video-Mitschnitt jetzt verfügbar

"Politiker aller Parteien fordern, dass die Vertragslaufzeit an die Laufzeit von Projekten gekoppelt wird" – das schrieb der Berliner "Tagesspiegel" in einem ausführlichen Bericht über die Bundestagsanhörung zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz am 30. November 2011. Die Koalitionsfraktionen kündigten aus Anlass der Anhörung eine eigene parlamentarische Initiative an, die u. a. im Sinne der GEW-Forderungen darauf abzielen soll, dass "befristete Arbeitsverträge für wissenschaftliche Nachwuchskräfte in der Regel auch an die Laufzeit der Vertragsgrundlage zu knüpfen" sind. SPD, Linke und Grünen haben bereits Anträge zur Reform der Karrierewege in der Wissenschaft vorgelegt, in denen zentrale Forderungen des Templiner Manifests aufgegriffen werden.

Die vorliegenden Anträge der Bundestagsfraktionen und die schriftlichen Stellungnahmen der vom Ausschuss eingeladenen Sachverständigen können auf der Internetseite des Bundestagsausschusses abgerufen werden. Die Stellungnahme der Bildungsgewerkschaft GEW ist außerdem auf dem GEW-Wissenschaftsportal verfügbar. Für alle, die nicht live dabei sein konnten: In der Mediathek des Deutschen Bundestages ist ein vollständiger Video-Mitschnitt des öffentlichen Fachgesprächs verfügbar – mit den mündlichen Statements aller Sachverständigen.

"Allianz" warnt vor Änderung des Wissenschaftszeitvertragsgesetz


Unterdessen hat sich die "Allianz der Wissenschaftsorganisationen" entschieden für eine unveränderte Fortführung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes ausgesprochen – as ist einer aktuellen Pressemitteilung der "Allianz" vom 13.12.2011 zu entnehmen. "Personelle Erneuerungsfähigkeit" sichere das weltweit anerkannt hohe Niveau der deutschen Wissenschaft, deshalb sei das Gesetz zum "unverzichtbaren Instrument geworden". Allerdings bekannte sich die "Allianz" zu einem "verantwortungsvollen Umgang mit den Befristungsregelungen und der damit verbundenen besonderen Personalfürsorge". Die einzelnen Organisationen wollen nun "Empfehlungen für die Anwendungspraxis des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes" vorlegen. Der "Allianz" gehören nicht nur die Hochschulrektorenkonferenz und die außerhochschulischen Forschungsorganisationen Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft und Max-Planck-Gesellschaft an, sondern auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Wissenschaftsrat.

Große Anfrage: Frauen in der Wissenschaft weiter unterrepräsentiert

Im Wissenschaftsbereich gebe es "keine prekäre Beschäftigung", da keineswegs "jedes befristete Teilzeitarbeitsverhältnis pauschal als 'prekäres Beschäftigungsverhältnis' angesehen"werden könne. Diese Aussage ist in der Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage der Bundestagsfraktionen SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen zur "Geschlechtergerechtigkeit in Wissenschaft und Forschung" zu finden. Und weiter: "Der Bundesregierung liegen zudem keine Daten vor, dass Frauen häufiger als Männer im 'Wissenschaftsbereich' in Teilzeit und/oder befristet beschäftigt waren als in anderen Branchen." Dabei belegen die auf S. 6 der Bundestagsdrucksache zu findenden Daten zumindest, dass Wissenschaftlerinnen stärker von Befristung und Teilzeit betroffen sind als ihre männlichen Kollegen.

Nichtsdestotrotz liefert die Antwort auf die Große Anfrage umfangreiches Datenmaterial, das belegt, dass Frauen insbesondere in den höheren Karrierestufen der wissenschaftlichen Laufbahn nach wie vor stark unterrepräsentiert sind. Besonders eklatant: der geringe Frauenanteil unter dem wissenschaftlichen Personal mit Leitungsfunktionen in der außerhochschulischen Forschung. Nur 11 Prozent dieser Positionen sind mit Frauen besetzt, in den Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft sind es sogar nur drei Prozent.

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