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Türkische Wissenschaftler auf der Flucht

13.11.2017

Das internationale Netzwerk „Scholars at Risk“ zählt die Türkei aktuell zu den Staaten, in denen die akademische Freiheit am stärksten bedroht ist. Nicht wenige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler leben im deutschen Exil.

Rund 1.100 Professorinnen und Professoren sowie Dozentinnen und Dozenten zogen im Januar 2016 den Zorn des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan auf sich: Die „Akademiker für den Frieden“ kritisierten das militärische Vorgehen im Südosten der Türkei und appellierten an die Regierung, den Friedensprozess mit den Kurdinnen und Kurden wiederaufzunehmen. Eine massive Einschüchterungskampagne folgte: Präsident Erdoğan nannte die Unterzeichnenden „Pseudo-Intellektuelle“ und „Landesverräter“. Eine regierungsnahe Zeitung bildete ihre Namen und Gesichter ab, Kolleginnen und Kollegen wurden bedroht. Mehrere hundert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wurden verhaftet. Der Vorwurf: Unterstützung des Terrorismus und Beleidigung der Türkei.

In seinem Bericht „Free to Think 2017“ berichtet das Netzwerk „Scholars at Risk“ von „nahezu durchgängigen Angriffen auf die türkische Hochschulbildung“ und warnt vor „irreparablem Schaden für den Ruf und die Qualität der türkischen Hochschulen”. Den Autoren zufolge wurden bis September 7.023 Professorinnen und Professoren sowie Dozentinnen und Dozenten entlassen, vom öffentlichen Dienst ausgeschlossen und mit einem Ausreiseverbot belegt. Rund 1.400 Wissenschaftler, Angestellte und Studierende wurden festgenommen, 400 angeklagt. Die Entlassenen verloren nicht nur ihren Job, sondern häufig auch ihre Rentenansprüche und die Möglichkeit, eine andere Stelle im Staatsdienst zu finden – was einem Berufsverbot gleichkommt. Vielen bleibt nur die monatliche Unterstützung durch die Bildungsgewerkschaft Eğitim Sen, der türkischen Partnergewerkschaft der GEW.

Der Artikel von Michaela Ludwig, die mit geflüchteten Wissenschaftlern an der Universität Bremen gesprochen hat,  ist in voller Länge in der Novemberausgabe der „E&W“ nachzulesen.

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