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SEB-Kongress in Sofia: Satzung modernisiert, neuer Vorstand gewählt

04.07.2017 - Peter Baumann

Niemand ist so lange wie sie an der Spitze einer europäischen Gewerkschaft: Janka Takeva, die bisherige Vorsitzende der bulgarischen Lehrergewerkschaft SEB, wurde mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt.

Ist diese erneute Wahl von Janka Takeva zur Gewerkschaftsvorsitzenden ein Zeichen großer Kontinuität? Immerhin übt sie diese Funktion bereits seit 1991 aus. Andererseits standen große Veränderungen an, als der SEB-Gewerkschaftstag vom 30.6. bis 1.7.2017 in der bulgarischen Hauptstadt Sofia zusammentrat.

Gleiche Anzahl von Männern und Frauen in gewerkschaftlichen Führungspositionen
Bevor es in die Vorstandswahlen ging, standen am ersten Sitzungstag Satzungsfragen im Vordergrund. Auch im Südosten der europäischen Union gewinnen Fragen der Gendergerechtigkeit zunehmend an Bedeutung, und so schrieb der Gewerkschaftstag nach längerer Diskussion in die Satzung, dass in Führungsgremien künftig Frauen und Männer in etwa gleich großer Zahl vertreten sein sollen. Dem wurde am zweiten Sitzungstag prompt Rechnung getragen, denn der Vorstand besteht nun aus fünf Frauen und sechs Männern.

An der Bildung wird gespart
Im Rechenschaftsbericht des Vorstands war erkennbar, dass auch in Bulgarien das Ansehen der Lehrerinnen und Lehrer nicht besonders hoch zu sein scheint. Die Situation in den Bildungseinrichtungen ist zunehmend schwieriger geworden, nicht zuletzt weil an den Bildungsausgaben immer wieder gekürzt wird, genau wie auch in Deutschland. Die Politikerinnen und Politiker beschwören auch in Bulgarien in Sonntagsreden immer wieder die große Bedeutung von Bildung, um dann im Alltag die Ausgaben zusammenzustreichen.

Lehrkräfte für die Arbeit mit Migranten qualifizieren
Auch in Bulgarien lebt eine große Zahl von Flüchtlingen im schulpflichtigen Alter. So ist es nur folgerichtig, dass es eine wesentliche Forderung der Gewerkschaft ist, Lehrer für die Arbeit mit Migrantinnen und Migranten auszubilden. Ist in Bulgarien der gewerkschaftliche Organisationsgrad der Lehrkräfte ohnehin sehr hoch, so ist der Zulauf immer noch gewaltig. In den letzten Jahren traten 12.000 Kolleginnen und Kollegen in die SEB ein. Nur am Rande sei erwähnt, dass, wie die Vorsitzende Takeva berichtete, etwa 46 Prozent aller Arbeitsplätze in Bulgarien in irgendeiner Weise mit der EU zusammenhängen. Dem neuen Vorstand der SEB kann man nur alles Gute und viel Erfolg in der kommenden Wahlperiode wünschen.

 

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