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Niedrigere Bezahlung trotz gleicher Anforderungen

16.11.2016

Eine neue Studie zum Gender Pay Gap mit Analysen von Jobprofilen zeigt: Dass Frauenberufe häufig schlechter bezahlt sind als Männerberufe, liegt keineswegs an geringeren Arbeitsanforderungen.

Sarah Lillemeier von der Universität Duisburg-Essen hat ein Verfahren entwickelt, mit dem die Arbeitsanforderungen und Belastungen in verschiedenen Berufen präzise erfasst und damit vergleichbar gemacht werden. Der Comparable-Worth-Index bildet Arbeitsinhalte detailliert und geschlechtsneutral ab. Auch psychosoziale Anforderungen wie Kooperationsfähigkeit und Einfühlungsvermögen oder die Verantwortung für das Wohlergehen anderer Menschen fließen ein. In 21 Kategorien werden Punkte vergeben, die Gesamtsumme zeigt, wie anspruchsvoll der jeweilige Job ist.

Ergebnis: In weiblich dominierten Berufen sind die Verdienste meist niedriger als in typischen Männerberufen mit demselben Indexwert. Insgesamt werden in 63 Prozent der Frauenberufe Entgelte gezahlt, die unter dem Durchschnitt aller Berufe mit vergleichbaren Arbeitsanforderungen liegen. Die Ergebnisse der Studie unterstützen laut Lillemeier die Devaluationshypothese: Trotz gleichwertiger Anforderungen wird in Frauenberufen weniger bezahlt.

Die GEW hat jüngst die Kampagne "JA 13 - weil Grundschullehrerinnen es verdienen" für mehr Lohngerechtigkeit gestartet. Grundschullehrerinnen werden derzeit als Beamtinnen nach Besoldungsgruppe A12 bezahlt. ­Damit verdienen sie weniger als ihre Kolleginnen an anderen Schulformen, die meist nach A13 bezahlt werden. Ein Rechtsgutachten für die Bildungsgewerkschaft kommt sowohl hinsichtlich der Ausbildung als auch der Tätigkeit von Grundschullehrkräften zu dem Schluss, dass es sich bei der Besoldung nach A12 um eine mittelbare Diskriminierung aufgrund des Geschlechts handle. Grundschulen haben mit etwa 90 Prozent den höchsten Frauenanteil bei den Lehrkräften.

Der Artikel "Maßstab für gerechte Bezahlung" ist in voller Länge im Magazin "Böckler Impuls" (Ausgabe 17/2016) der Hans-Böckler-Stiftung nachzulesen. 

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