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NASUWT-Konferenz in Manchester

25.04.2017 - Andreas Gehrke

Rund 1.000 Delegierte der örtlichen Gliederungen der britischen LehrerInnengewerkschaft NASUWT trafen sich vom 14. bis 17. April 2017 zu ihrer jährlichen Konferenz in Manchester. Für die GEW war Andreas Gehrke als Gast eingeladen.

Die National Association of Schoolmasters Union of Women Teachers (NASUWT) vertritt rund 300.000 Mitglieder an britischen Schulen. Neben der Rede des neugewählten Präsidenten Fred Brown und der Rechenschaftslegung des Vorstandes für das zurückliegende Jahr standen Anträge zum Schutz der Mitglieder nach dem Brexit sowie zur Arbeitszeit, zur erzwungenen "freiwilligen" Mehrarbeit und zum Einsatz Unausgebildeter in den Schulen im Zentrum der Debatten.

President's Adress

Eröffnet wurde der Kongress am Karfreitag mit einer viel beachteten Grundsatzrede des neuen Präsidenten Fred Brown, der die bisherige Präsidentin Kathy Wallis nach einjähriger Amtszeit ablöste (der Wechsel findet turnusgemäß jährlich statt). Neben der Bedeutung von Gleichheit und gleichem Zugang zur Bildung sowie der Aufgabe der Lehrkräfte, anderen in Not zu helfen, war die positive Bewertung von Zuwanderung der Schwerpunkt seiner Rede: "Not everyone who wants to come to this country is fleeing persecution or war. Some come to make a better life. My mother was not a refugee; she was an economic migrant. Social mobility is lauded as a good thing; it is one of the things that we are supposed to foster in education...The notion that only the rich should be welcomed is deeply unethical. Because someone is poor does not mean they have less value - it simply means they are being exploited."

Rechenschaftsbericht über die Arbeit der vergangenen Amtszeit

Kathy Wallis zog eine positive Bilanz der Arbeit unter ihrer Präsidentschaft. Sie betonte den andauernden Kampf der NASUWT bei der Verteidigung der Vergütungs- und Arbeitsbedingungen unter anderem am Beispiel von Erfolgen in Jersey und Gibraltar. Sie dankte allen, die sich an Streik- und anderen Verweigerungsaktionen beteiligt hatten, aber auch denen, die durch Verhandlungen dazu beigetragen hatten, Streiks zu vermeiden. Außerdem würdigte sie die internationale Arbeit der NASUWT bei der Unterstützung von Lehrkräften und ihren Gewerkschaften, die Verfolgung ausgesetzt seien. Neben der Türkei wurde in diesem Zusammenhang insbesondere auch Bahrain erwähnt. Durch internationale Solidarität sei die Befreiung des Präsidenten der Bahrain Teachers' Association, Mahdi Abu Dheeb, gelungen, der von der Konferenz mit standing ovations begrüßt und mit dem internationalen Solidaritätspreis der NASUWT ausgezeichnet wurde.

Antragsdebatte

In dem Beschluss Workers' Rights fordert die NASUWT, die zum Brexit keine Beschlusslage hatte, nach dem Austritt das Recht für alle ArbeitnehmerInnen auf sichere Arbeitsplätze und gute Arbeitsbedingungen. Die Rechte der Lehrkräfte müssten verteidigt und die Mitglieder vor Angriffen auf ihren professionellen Status geschützt werden. In den Verhandlungen mit der EU seien die Auswirkungen auf das Bildungswesen zu beachten. In weiteren Beschlüssen sprach sich die Konferenz für Aktionen zur Dokumentation der Arbeitszeit der Lehrkräfte, gegen Arbeitsüberlastung und für Arbeitszeitverkürzung aus.

Breiten Raum nahm in der Diskussion die Praxis von Schulleitungen ein, von den Lehrkräften "interventions" zur Förderung leistungsschwächerer Schülerinnen und Schüler zu verlangen. Sie finden in den Schul(mittags)pausen, nach Schulschluss und in den Ferien statt. Die Beteiligung der Lehrkräfte ist "freiwillig", wird jedoch mit Hinweisen auf Karrierenachteile bei Ablehnung häufig erzwungen. Hiergegen wird die NASUWT eine Kampagne führen.

Auf strikte Ablehnung in einem weiteren Beschluss stieß der Vorschlag der britischen Regierung, den qualifizierten Lehrkräftestatus (QTS) durch eine Form der Akkreditierung auf Schulebene zu ersetzen und Personen die Lehre zu erlauben, ohne dass sie vorher eine Lehrausbildung abgeschlossen haben.  Die NASUWT befürchtet die Abwertung der Qualifikation und des professionellen Status der ausgebildeten Lehrkräfte und daraus folgend einen Angriff auf die Bezahlung.

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