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Mehr Bildung für Flüchtlinge - Schulen müssen rund 140.000 Kinder integrieren

17.08.2015

Der Umgang mit der großen Zahl von Flüchtlingen werde die EU künftig mehr beschäftigen als Griechenland und die Stabilität des Euro, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im ZDF-Sommerinterview. Die GEW fordert das Recht auf Bildung für alle Schüler von Anfang an, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus. GEW Vorsitzende Tepe macht sich in einem Radiointerview außerdem für zusätzliche Ressourcen zur Integration von Flüchtlingskindern stark.

Im Interview mit Deutschlandradio Kultur machte sich Marlis Tepe, Vorsitzende der GEW, für die Bereitstellung zusätzlicher Ressourcen stark, um Flüchtlingskinder sowohl in der Schule als auch in Kitas besser zu integrieren. "Es ist wichtig, den Kindern möglichst schnell Angebote zu machen, die Sprache zu lernen", betonte Tepe dabei. Als Vorbild gilt dabei das Projekt "Frühe Chancen" an dem sich 4.000 Kitas in Deutschland beteiligen. Eine zusätzliche qualifizierte Kollegin unterstützt dabei Kitas bei der besseren Integration von Flüchtlingskindern in Kitas.

KMK-Vizepräsident Andreas Stoch warb in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) dafür, junge Flüchtlinge "als Chance für unser Land zu betrachten". Zugleich machte er klar, die Integration Zehntausender Flüchtlingskinder ins deutsche Bildungssystem sei eine große Herausforderung. Laut dem Bildungsminister von Baden-Württemberg und SPD-Politiker bauen die Bundesländer zusätzliche Personalressourcen im Bereich der Lehrkräfte auf, die Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache unterrichten können.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD) appellierte an die Länder, sich noch mehr für eine gute Betreuung junger Flüchtlinge in der Schule einzusetzen. Wichtig sei eine zusätzliche Sprachförderung, sagte die stellvertretende SPD-Chefin der dpa. Zudem fehlten Berufsschulangebote für junge erwachsene Flüchtlinge. Nachholbedarf gebe es auch bei der Ausbildung von Lehrern für das Fach Deutsch als Zweitsprache.

Stoch schätzt dem dpa-Bericht zufolge, dass unter den in diesem Jahr erwarteten Asyl-Erstantragstellern rund 30 Prozent Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter seien - "insgesamt etwa 140 000 bis 150 000 bundesweit, die wir in unserem Schulsystem integrieren müssen".

Foto: Enno Lenze, CC BY 2.0

Die GEW betont, die Kommunen dürften mit den anstehenden Aufgaben nicht alleingelassen werden. "Es bedarf einer gemeinsamen Anstrengung aller Ebenen der Politik", sagt die Gewerkschaftsvorsitzende Marlis Tepe. Sie verlangt zudem mit Blick auf alle Länder: "Es muss eine enorme Anstrengung zur weiteren Qualifizierung von Lehrkräften und anderem pädagogischen Personal unternommen werden."

In der vergangenen Woche hatte das Bundeskabinett bereits beschlossen, dass junge Flüchtlinge ab Januar 2016 schon nach 15 Monaten statt 4 Jahren Aufenthalt BAfög oder Berufsausbildungsbeihilfe bekommen können. Bereits Ende Juli vereinbarte das Kabinett, dass Asylbewerber und Geduldete künftig leichter ein Praktikum machen können. Die Bundesagentur für Arbeit muss dem nicht mehr zustimmen.

Die GEW begrüßte den BAfög-Vorstoß als Schritt in die richtige Richtung, da das Menschenrecht auf Bildung nur so umsetzbar sei. Zudem warteten die Flüchtlinge darauf, schneller aktiv werden zu können.

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