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Inklusionsstrategie für jedes Bundesland diskutieren

09.10.2017 - Marlis Tepe, GEW-Vorsitzende

In der GEW soll künftig offener über den Weg zur einen Schule für alle diskutiert werden, etwa in regionalen Fachtagungen. In welchen Schritten und welchem Zeitrahmen das Parallelsystem aufgehoben wird, ist in jedem Bundesland zu diskutieren.

Inklusion ist zu einem Reizwort geworden. Ideen und Ziele der Inklusion sind es nicht. Unter Inklusion verstehen wir die Teilhabe aller Menschen in allen gesellschaftlichen Bereichen – unabhängig von einer Behinderung, dem Geschlecht, kulturellen und sozialen Hintergründen, der ethnischen Herkunft, der sexuellen Identität, Religion, Leistungsfähigkeit oder Sprache. Der Nationale Aktionsplan Inklusion sieht Maßnahmen in zwölf Bereichen vor, einer davon ist Bildung – von der Kita über die Schule, berufliche Bildung bis zur Hochschule.

Der Weg zu einer Schule, in der alle Menschen die besten Möglichkeiten haben, sich zu entfalten, wird in der GEW zurzeit heftig diskutiert. Das spiegelt sich auch in dem Beschluss des Freiburger Gewerkschaftstages vom Mai wider. Er beschreibt die Zielvorstellung von einer Schule für alle und fordert Personalressourcen, multiprofessionelle Teams, eine andere Arbeitszeit, geänderte Rahmenbedingungen und Klassengrößen, eine neue Form der Leistungsbewertung, mehr Fort- und Ausbildung sowie wissenschaftliche Begleitung ein.

„Politik hat es bisher weitgehend versäumt, die notwendigen Ressourcen bereit zu stellen, damit Inklusion gelingen kann.“

Die Debatte ist schwierig, nicht zuletzt weil die Rahmenbedingungen in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich sind. Und damit kommen wir zum Kern der Diskussion: Politik hat es bisher weitgehend versäumt, die notwendigen Ressourcen bereit zu stellen, damit Inklusion gelingen kann. Deshalb stellen sich Fragen wie: Will die Gesellschaft Inklusion wirklich? Wie soll Inklusion in einem gegliederten Schulwesen klappen, widerspricht sie doch dem System? Viele Kolleginnen und Kollegen kritisieren, dass diese Fragen nicht beantwortet, zu wenig Mittel bereitgestellt werden, kurz: Die Probleme bei der Umsetzung von Inklusion auf ihrem Rücken ausgetragen werden.

Die GEW will die Kolleginnen und Kollegen in den Schulen unterstützen, sie will sie entlasten. Dafür beschreibt der Freiburger Beschluss den Rahmen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Jetzt geht es darum, diesen auszufüllen und die konkrete Umsetzung der Inklusion politisch und vor Ort mitzugestalten. Das ist der Auftrag des Gewerkschaftstages. Die Zeit seit Mai haben wir genutzt, einen Plan zu entwickeln, den der Hauptvorstand und die Landesverbände jetzt beschließen und dann Stück für Stück umsetzen werden. Teil des Plans ist, in der GEW offener über die Strategie und den Weg zur einen Schule für alle zu diskutieren, z.B. in regionalen Fachtagungen.

„Die Frage, in welchen Schritten und in welchem Zeitrahmen das Parallelsystem aufgehoben wird, ist in jedem Bundesland zu diskutieren und durch jeweils spezifische Beschlüsse zu definieren.“

Da die Situation in den Ländern sehr unterschiedlich ist, müssen wir lernen, mit diesen Ungleichzeitigkeiten umzugehen und Lösungen zu finden, die den unterschiedlichen Bedingungen vor Ort gerecht werden. Dabei sollten wir uns nicht gegenseitig unterstellen, die einen lehnten die Teilhabe aller Menschen an Inklusion ab und die anderen meinten, dass allein die richtige Haltung für gute Inklusion reiche. Beides beschreibt nicht den richtigen Weg: Weder die Haltung allein noch die Ressourcen allein führen zum Ziel.

Im Gewerkschaftstagsbeschluss heißt es beispielsweise: „Das Parallelsystem von Förder-/Sonderschulen und allgemeinen Schulen ist schrittweise aufzuheben. Der Transformationsprozess in eine inklusive Schule ist in den Schulgesetzen aller Bundesländer zu verankern.“ Das hat insbesondere viele Sonderpädagoginnen und -pädagogen verunsichert. Deshalb: Die Frage, in welchen Schritten und in welchem Zeitrahmen das Parallelsystem aufgehoben wird, ist in jedem Bundesland zu diskutieren und durch jeweils spezifische Beschlüsse zu definieren.

Vor uns liegt ein weiter Weg, auf dem wir solidarisch, aber konfliktbereit unter uns aber vor allen mit den Landesregierungen und der Gesellschaft diskutieren müssen. Dafür, so der Auftrag des Gewerkschaftstages, sollen wir Bündnisse schließen. Auf der Bundesebene werde ich mit den politisch Verantwortlichen das Gespräch suchen: Sie sollen mehr Geld für Bildung und gute pädagogische Räume bereitstellen. Der Nationale Aktionsplan Inklusion muss mit Ressourcen hinterlegt werden!

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