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Hochschulleitung streicht Professur von Antisemitismusforscher

24.05.2016

Auf Geheiß der Hochschulleitung will die Universität Göttingen den Vertrag des Antisemitismusforschers Samuel Salzborn auslaufen lassen. Ein offener Brief, der von den GEW-Studis unterstützt wird, wendet sich gegen dieses Vorhaben.

Foto: Daniel Schwen, CC-BY-CA 2.5

Der Fachschaftsrat Sozialwissenschaften an der Universität Göttingen wendet sich in einem Offenen Brief gegen die präsidial verordnete Streichung der Professur von Samule Salzborn. Wissenschaftler und Organisationen unterstützen den Brief, den auch der Bundesausschuss der Studentinnen und Studenten in der GEW (BASS) unterzeichnete. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin appellierte ebenfalls an die Hochschulleitung, die Professur Salzborns zu erhalten. 

Mit ihrem Vorhaben hat sich die Hochschulleitung der Universität Göttingen nach Ansicht der GEW-Studis nicht nur über den gegenteiligen Beschluss der zuständigen Fakultät hinweggesetzt, sie bleibt auch die Begründung schuldig. Mit seiner wissenschaftlichen Arbeit sei Salzborn nicht nur ein Experte in der Antisemitismusforschung und der Auseinandersetzung mit Rechtsradikalismus. Er publiziert auch viel, werbe Drittmittel ein und sei beliebt in der Lehre.

Mit den Hochschulgesetzesänderungen des vergangenen Jahrzehnts wurden die Machtbefugnisse der Hochschulleitungen nach Meinung des BASS massiv gestärkt. Durch die Exzellenzinitiative und damit verbundene Profilbildungsprozesse seien Hochschulleitungen zudem dazu animiert worden, in die Geschäfte der Fakultäten einzugreifen, Forschungsbereiche und Studiengänge zu schließen und deren Mittel umzuverteilen.

"Wozu solch präsidiale Entscheidungsfindung führen kann, lässt sich am Beispiel der Universität Göttingen beobachten", heißt es von Seiten der GEW-Studis. "Eine Universität erklärt in Zeiten wachsender Wahlergebnisse der AfD, dass sie auf Forschung zu Rechtsradikalismus verzichten will und sieht trotz erheblicher antisemitischer Ressentiments inmitten der Gesellschaft offenbar keine Notwendigkeit für Antisemitismusforschung."

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