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Großbritannien: Super-Bildungsgewerkschaft gegründet

18.10.2017 - Barbara Geier

Zwei britische Bildungsgewerkschaften fusionieren zur National Education Union (NEU) mit fast einer halben Million Mitgliedern. Die neue Gewerkschaft wird sich auf schwere Zeiten einstellen müssen.

Zusammenschluss nach Mitgliederbefragung
„A very modern marriage“ nannten die englischen Medien den Zusammenschluss der zwei Gewerkschaften ATL (Associaition of Teachers and Lecturers) und NUT (National Union of Teachers) zur jetzt mit 450.000 Mitgliedern stärksten Bildungsgewerkschaft im Vereinigten Königreich, der National Education Union (NEU).  Die GeneralsekretärInnen der beiden Gewerkschaften, Mary Bousted und Kevin Courtney, konnten ihren ‚Ehevertrag‘ erst nach langen Verhandlungen und Mitgliederbefragungen unterschreiben. ATL ist die kleinere Gewerkschaft, deren Mitglieder zumeist aus dem Fachschul- und Hochschulbereich kommen. Mitglieder der NUT sind an allgemeinbildenden Schulen beschäftigt. Bousted und Courtney werden nun bis 2022 als gleichberechtigte Generalsekretäre die neue Gewerkschaft NEU leiten.

Teacher ist kein attraktiver Beruf für junge Menschen
Über Jahre hatte die NUT immer wieder versucht, die sechs in Großbritannien existierenden Bildungsgewerkschaften zusammenzuführen. Nun sind Bousted und Courtney sehr zuversichtlich, dass auch Unterschiede ‚wie in jeder Familie‘ sie stärken, das gemeinsame Ziel zu erreichen. Im Bildungsbereich stehen den Gewerkschaften schwierige Zeiten bevor. Die Ausgaben für allgemeinbildende Schulen sind in den letzten Jahren der Tory Regierung gesunken, die Universitäten sind die vom drohenden Brexit am stärksten betroffenen Bildungseinrichtungen. Eingefrorene Gehälter und die enorme Arbeitsbelastung machen den Beruf des Teachers für immer weniger Studierende attraktiv und haben dazu geführt, dass die durchschnittliche Verweildauer im Beruf nur 5 Jahre beträgt. Die Schulgebäude stehen unter einem enormen Renovierungsstau. Schon lange fordern die Gewerkschaften auch die Abschaffung der exzessiven externen Tests an britischen Schulen.

Harte Auseinandersetzungen erwartet
Die NEU stellt sich auf harte Auseinandersetzungen und zähe Verhandlungen ein. Die beiden GeneralsekretärInnen werden sich auch nicht von der Verschärfung des Streikrechts durch die neue Regierung aufhalten lassen, ihre Mitglieder in Massen lautstark auf die Straße zu bringen. Da sich die NEU in ihren Forderungen sehr nahe bei den anderen britischen Bildungsgewerkschaften wie der AHT (der Schulleitergewerkschaft) oder auch der NASUWT, der zweitgrößten Bildungsgewerkschaft, wissen, gibt der kämpferische Kevin Courtney die Hoffnung nicht auf, dass sich alle Bildungsgewerkschaften des Landes eines Tages zu einer großen Familie zusammenschließen.

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