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Gleiche Gehälter an Grundschulen sind "überfällig"

14.11.2016

"Wir wollen Inklusion, eine Schule für alle. Und dann werden KollegInnen, die mit denselben Kindern arbeiten, unterschiedlich bezahlt", kritisiert Grundschullehrerin Wiebke Schröder. Die GEW fordert A13 für alle Lehrkräfte an Grundschulen.

Die Frankfurter Grundschullehrerin Wiebke Schröder arbeitet rund zehn Stunden am Tag. In der "E&W" schildert sie ihren Berufsalltag: "Ich bin ab sieben Uhr in der Schule, Unterricht ist von 7.50 Uhr bis 13.05 Uhr. Wöchentlich erteile ich 27 Stunden Unterricht, weiter fallen in der Woche zusätzlich eine Stunde für Personalratsarbeit und eine für die IT-Betreuung an. So komme ich, wie an Hessens Grundschulen üblich, auf 29 Pflichtstunden. Nach dem Unterricht bleibe ich für die Nachbereitung und Kollegengespräche noch bis zirka 14.30 Uhr in der Schule. Zu Hause bereite ich den Unterricht für den nächsten Tag vor und widme mich der Elternarbeit. Ich habe zwei Telefonanschlüsse, einen beruflichen und einen privaten. Der berufliche klingelt bis abends um zehn."

Für ihre Tätigkeiten verdient Schröder in der Gehaltsstufe A 12 rund 400 bis 700 Euro weniger als Lehrkräfte anderer Schulformen. Die Vermittlung von Fachkenntnissen werde "offenbar mehr wertgeschätzt als pädagogische Kompetenzen", kritisiert sie. Dabei gehe es in der Grundschule ebenso wenig nur um Pädagogik wie in höheren Klassen lediglich um Wissensvermittlung. Mit ihrem Master of Education sei sie fachlich und didaktisch genauso ausgebildet wie KollegInnen, die ab Klasse 5 arbeiteten. Schröder betont: "Dahinter steht die Vorstellung, 'irgendwas mit Kindern' könnten wir Frauen doch wohl 'nebenbei' machen." Eine Angleichung der Gehälter der Lehrkräfte sei "überfällig".

Die GEW fordert die Besoldung nach A13 für alle Grundschullehrkräfte und beruft sich dabei auf ein Rechtsgutachten. In einer Analyse für die Bildungsgewerkschaft kommen die Europa-Rechtswissenschaftlerinnen Eva Kocher, Stefanie Porsche und Johanna Wenckebach sowohl hinsichtlich der Ausbildung als auch der Tätigkeit von Grundschullehrkräften zu dem Ergebnis, dass es sich bei der Besoldung nach A12 um eine mittelbare Diskriminierung aufgrund des Geschlechts handle. Grundschulen haben mit etwa 90 Prozent den höchsten Frauenanteil bei den Lehrkräften.

Das Interview von Jeannette Goddar mit Wiebke Schröder ist in voller Länge in der Novemberausgabe der "E&W" abgedruckt.

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