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"Gewaltprävention muss fester Bestandteil der Schulentwicklung sein"

06.09.2017

Laut Statistik werden immer weniger Jugendliche gewalttätig. Politikwissenschaftler Bernd Holthusen führt das auf langjährige Präventionsarbeit zurück. Eine Gesellschaft ohne Jugendgewalt hält er allerdings für eine Illusion.

In der Polizeilichen Kriminalstatistik hat die Jugendgewalt seit den 1990er Jahren erheblich abgenommen. "Es spricht viel dafür, dass die Präventionsarbeit der vergangenen 25 Jahre gewirkt hat", sagt der Politikwissenschaftler Bernd Holthusen, Experte beim Deutschen Jugendinstitut (DJI), im "E&W"-Interview. Die Prävention müsse trotzdem fortgesetzt werden: „Jedes Opfer ist eins zu viel.“ Es sei aber auch „normal“, dass Jugendliche in der Adoleszenzphase hin und wieder Grenzen austesteten. „Der Ladendiebstahl als eine Art Mutprobe ist typisch dafür, ebenso Raufereien unter jungen Männern.“

Problematisch werde es dagegen, wenn schwere Delikte sich häuften, sagte Holthusen. Unter den Jugendlichen, die im Laufe ihres Heranwachsens straffällig werden, gehören etwa fünf Prozent zu den sogenannten Intensivtätern. „Diese relativ kleine Gruppe begeht etwa die Hälfte aller Straftaten im Bereich der Jugenddelinquenz.“ Lange Zeit seien zudem nur zehn Prozent der Täter weiblich gewesen. Inzwischen steige die Anzahl der Mädchen und jungen Frauen, wenn auch nur sehr leicht. Mit Blick auf Schulen betonte der DJI-Experte, es reiche nicht, ab und zu ein Anti-Aggressions-Projekt anzubieten. „Gewaltprävention muss fester Bestandteil der Schulentwicklung sein. Sonst wirkt sie nicht nachhaltig.“

Das komplette Interview von Katja Irle ist in der Septemberausgabe der „E&W“ veröffentlicht.

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