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Gesundheit für den akademischen Mittelbau

13.10.2017 - Andreas Keller

Zeitverträge, Mehrarbeit und schwierige Work-Life-Balance sind Belastungsfaktoren für den akademischen Mittelbau. Das zeigt eine Studie im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung, deren Ergebnisse auf einer Tagung vorgestellt und debattiert wurden.

Zwischen Lehre, Forschung und Qualifizierung – wie gesund ist es, Wissenschaft als Beruf zu betreiben? Welche Ressourcen und welche Belastungsfaktoren bietet der Arbeitsplatz Hochschule und Forschung? Diesen Fragen sind 75 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf einer Tagung nachgegangen, die der Arbeitskreis Gesundheitsfördernde Hochschulen und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft gemeinsam mit der Hochschule Hannover und mit Unterstützung der Techniker-Krankenkasse am 12. Oktober in Hannover ausgerichtet haben.

Tino Lesener und Burkhard Gusy präsentierten im Rahmen der Tagung die Ergebnisse einer Studie, die sie im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung der GEW angefertigt haben. Ihr Ergebnis: Zentrale Belastungsfaktoren für die Gesundheit im Akademischen Mittelbau sind die zeitliche Befristung des Arbeitsverhältnisses und die daraus resultierende berufliche Unsicherheit, die zeitlichen Anforderungen, die mit Mehrarbeit kompensiert werden, sowie die Vereinbarkeit von Familien- bzw. Privatleben und Beruf.

Diese Ergebnisse wurden auch in den Erfahrungsberichten von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf der Tagung widergespiegelt. Sie berichteten von mangelnder Planbarkeit des Berufsweges und Zukunftssorgen, aber auch von einem Mangel an Feedback und Anerkennung im akademischen Alltag. Neben fehlenden Vertretungsregelungen und Leistungsdruck machen ihnen etwa das lange Arbeiten im Sitzen sowie häufige Wechsel des Arbeitsortes und weite Pendelwege zu schaffen.

„Die Ergebnisse der Studie sind eine Handlungsaufforderung an die Wissenschaftspolitik“, machte Andreas Keller, stellvertretender Vorsitzender der GEW, auf der Tagung deutlich. „Kurz- und Kettenverträge sind eine Belastung für die Beschäftigten – und sie sind vermeidbar“, betonte er. Hochschulen und Forschungseinrichtungen müssten deshalb eine Trendwende einleiten: Dauerstellen für Daueraufgaben und angemessene Laufzeiten für Zeitverträge sollten Leitplanken der Personalentwicklung sein, so der GEW-Hochschulexperte.

Dr. Ute Sonntag, Koordinatorin des Arbeitskreises Gesundheitsfördernde Hochschulen, begrüßte, dass sich immer mehr Hochschulen des Themas Gesundheitsförderung annehmen. „Mit der Veranstaltung wurde einer Gruppe eine Stimme gegeben, die bislang wenig im Betrieblichen Gesundheitsmanagement beachtetet wurde“, betonte sie. Zukünftig werde der bundesweite Arbeitskreis Akteurinnen und Akteuren an Hochschulen konkrete Impulse geben, Maßnahmen für und mit dieser Gruppe umzusetzen.

Prof. Dr. Mathias Bonse-Rohmann berichtete aus dem Projekt „Gesundheitsfördernde Fakultät V - Campus Kleefeld“, welches er an der Hochschule Hannover in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse durchführt. "Innerhalb des Projektes sind unsere wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeladen, sich partizipativ in acht Gesundheitszirkel einzubringen“, machte er deutlich. Dazu seien aktuell eine Kurzbefragung zu den Interessen und Bedürfnissen sowie Maßnahmen zur individuellen aktiven Pausengestaltung vorgesehen.

Die Studie „Arbeitsbelastungen, Ressourcen und Gesundheit im Mittelbau. Ein systematisches Review zum Gesundheitsstatus der wissenschaftlich und künstlerisch Beschäftigten an staatlichen Hochschulen in Deutschland“ von Tino Lesener und Dr. Dr. Burkard Gusy unter Mitwirkung von Katrin Lohmann und Christine Wolter steht zum Download bereit.

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