Sie sind hier:

Erzieher*innen verdienen mehr…

01.06.2015 - Von Sarah Kleemann

Der Sozial- und Erziehungsdienst ist in den Schlagzeilen. Zehntausende, insbesondere Frauen, kämpfen für die Aufwertung des Erzieher*innenberufs und mehr Entgeltgerechtigkeit. Rund 95 Prozent der Kita-Beschäftigten sind weiblich. Ihr Berufsweg ist ein Paradebeispiel für die Diskriminierung von Frauen im Erwerbsleben.

Erzieherinnen durchlaufen eine lange, professionelle Ausbildung zwischen vier bis fünf Jahren, doch die Aufstiegsmöglichkeiten und Weiterbildungsoptionen sind gering. Selbst die Leitung einer Kita wird nicht durch ein angemessenes Gehalt wertgeschätzt. Das Gehalt liegt in kleinen Kindertageseinrichtungen zum Teil bei nur rund 2.400 Euro brutto. Da das Entgelt sich aus den belegten Kita-Plätzen berechnet, wird eine Leitungskraft schlechter eingruppiert, wenn die Einrichtung einen besseren Betreuungsschlüssel hat.

Daher fordert die GEW, dass bei der Bewertung der Leitungsfunktion die Zahl der Kita-Plätze in der Einrichtung, die Anzahl der Gruppen und die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berücksichtigt werden. Hinzu kommt, dass viele der Tätigkeitsmerkmale des Erzieher*innenberufs aus den 1970er-Jahren stammen. Sie berücksichtigen weder, dass sich die Berufe im Erziehungs- und Sozialbereich stark verändert haben, noch die gestiegenen gesellschaftlichen Erwartungen an diese. In den Tageseinrichtungen für Kinder muss heute mit Bildungsplänen gearbeitet werden, dazu kommen gezielte Sprachförderung, Kinderschutz, Umsetzung der Inklusion, Förderung und Integration von Flüchtlingskindern.

Zehn Prozent mehr Gehalt gefordert

Um diesen Anforderungen an die Profession gerecht zu werden, fordert die GEW neben der schulischen Ausbildung an Berufskollegen, Berufs- und Fachschulen neue, berufliche Qualifikationen. Mittlerweile bieten zunehmend mehr Hochschulen Studiengänge sowohl im Bachelor- als auch im Master an, zum Beispiel das Fach Früh-/Elementarpädagogik. Diese gestiegenen Ansprüche an Ausbildung und Beruf gilt es, in der Bezahlung deutlich zu machen: Es darf nicht sein, dass ein*e Kita-Leiter*in weniger verdient als ein*e Paketzusteller*in.

Das Problem der niedrigen Gehälter verschärft sich dadurch, dass mehr als 60 Prozent der Kita-Stellen nur in Teilzeit angeboten werden. Folge: Nahezu die Hälfte der Erzieher*innen arbeitet in Teilzeit und die Quoten der Zweitjobs steigen stetig. Zudem bricht ein Viertel frühzeitig die Tätigkeit ab. Altersarmut vorzubeugen ist in der Berufssparte folglich kaum möglich. Meist existieren zusätzlich Schulden aus der Ausbildungszeit: Nach der jahrelangen, in der Regel unvergüteten, schulischen Ausbildung folgt bei öffentlichen Trägern ein mit 1.400 Euro brutto pro Monat vergütetes Anerkennungsjahr. Deutlich wird hier: All dies sind typische Diskriminierungsmerkmale klassischer Frauenberufe, gegen die sich die Erzieherinnen mit ihrem Streik wehren!

Konkret fordern rund 240.000 Kita-Erzieherinnen und -Erzieher von den kommunalen Arbeitgebern und Arbeitgeberinnen ein Plus von durchschnittlich zehn Prozent des Entgelts, also eine Eingruppierung in höhere Gehaltsklassen. Die schlechten Gehaltsaussichten und hohen fachlichen Ansprüche in Kombination mit dem langen Ausbildungsweg machen den Erzieher*innenberuf für junge Menschen unattraktiv.

GEW-Kampagne „Erzieherinnen verdienen mehr …“

Mit dem Ziel, die Aufwertung der Ausbildung, des Erziehungsberufs und der Rahmenbedingungen nachhaltig zu garantieren, arbeitet die GEW zusammen mit dem AWO Bundesverband, dem Verband Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK) und dem Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) an der Erstellung eines Bundesqualitätsgesetzes für Kitas. Um die individuellen Entwicklungsansprüche des einzelnen Kindes gewährleisten zu können, müssen auch der Personalschlüssel und die Betreuungsqualität verbessert werden.

Mit der GEW-Kampagne „Erzieherinnen verdienen mehr …“ setzen Erzieher*innen ein klares Zeichen für ihre Interessen, Rechte und für ihre professionelle Haltung. Unterstützung und Solidarität bekommen sie aus der Bevölkerung, von Verbänden und Organisationen und der Politik. Dass für die überwiegend frauendominierten erzieherischen, sozialen und pflegerischen Berufe endlich mehr Mittel bereitgestellt werden müssen, ist gesellschaftlicher Konsens.

Zurück