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Acht von zehn queeren Jugendlichen erleben Diskriminierung

12.09.2017

Rund 80 Prozent der Jugendlichen, die lesbisch, schwul, bisexuell, trans oder queer sind, werden diskriminiert. Diese Erfahrungen beschreiben die DJI-Wissenschaftlerinnen Claudia Krell und Kerstin Oldemeier in ihrem Buch „Coming-out – und dann…?!“.

Trotz zunehmender Akzeptanz und Toleranz in Deutschland fühlen sich acht von zehn Jugendlichen, die lesbisch, schwul, bisexuell, trans oder queer sind, diskriminiert. Diese Erfahrungen beschreiben die DJI-Wissenschaftlerinnen Claudia Krell und Kerstin Oldemeier in ihrem neuen Buch „Coming-out – und dann…?!“. Es basiert auf einer Onlinebefragung von 5.000 Jugendlichen und im Alter von 14 bis 27 Jahren und 40 persönlichen Interviews.

Fast die Hälfte der Jugendlichen wird demnach in der Schule oder am Arbeitsplatz diskriminiert. Dort sind sie teils Spott, Beleidigungen und Beschimpfungen ausgesetzt, teils werden sie sozial ausgegrenzt oder sogar körperlich attackiert. In der Familie sind die Jugendlichen vor allem damit konfrontiert, dass ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Zugehörigkeit nicht ernst genommen oder ignoriert wird. Einem Teil der Jugendlichen gelingt es, solche Erfahrungen konstruktiv zu verarbeiten. Dabei ist der Rückhalt im Freundeskreis wichtig. Auch das Internet spielt eine große Rolle, um sich auszutauschen, zu vernetzen und zu informieren – zum Beispiel über spezifische Beratungs- und Freizeitangebote.

Eine zentrale Strategie im Umgang mit befürchteter Diskriminierung ist laut Autorinnen jedoch Verzicht: So nehmen beispielsweise überdurchschnittlich viele der LSBT*Q-Jugendlichen nicht am Vereinssport teil. Bis zum Coming-out vergehen meist mehrere Jahre. Aus Angst vor möglicher Ablehnung versuchen Jugendliche längere Zeit, ihr Empfinden zu unterdrücken und ziehen sich sozial zurück. Dies kann zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen führen. Zwei Drittel der Jugendlichen vertrauen sich zuerst einer Person aus dem Freundeskreis an. Innerhalb der Familie spielen Mütter die wichtigste Rolle; an sie wenden sich zwölf Prozent der Jugendlichen.

Claudia Krell/Kerstin Oldemeier (2017),„Coming-out – und dann…?!“: Coming-out-Verläufe und Diskriminierungserfahrungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. Leverkusen/Opladen, Verlag Barbara Budrich, 260 Seiten, 28 Euro.

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