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Politik-Check SchuleSo bleibt denn auch die Misere des deutschen Schulsystems weitgehend außen vor: Das Schulsystem im Sekundarbereich verharrt bei Lesekompetenz und mathematischer Grundbildung weiter im Mittelfeld, die Probleme für Migrantenkinder und Kinder aus der Unterschicht sind dieselben geblieben, die Bildungschancen in Deutschland sind nach wie vor höchst ungerecht verteilt.
Freilich: die Reformen seit PISA waren zahlreich, das Tempo ihrer Einführung rasant. Ein föderaler Flickenteppich schulpolitischer Maßnahmen hat die Schulen in den letzten Jahren überzogen. Ausgerechnet beim Punkt „Bildungsziele“ – eins von fünf Kriterien der Bundesländerbewertung der INSM-Studie – hat Deutschland jedoch weiterhin größten Nachholbedarf. Der internationale Vergleich mit anderen Ländern zeigt: In Deutschland gibt es keine gemeinsame Philosophie und Zielorientierung des Schulwesens, etwa in Richtung der Ausschöpfung aller Potenziale, weg von der Auslese und Verschwendung von Bildungspotenzialen hin zur individuellen Förderung aller Kinder und Jugendlichen.
Am stärksten verlegten sich die Kultusministerien in Folge von PISA auf das Feld Qualitätssicherung (Bildungsstandards, Vergleichsarbeiten usw.). Und da dieser Bereich gleich zwei Bewertungskriterien von fünf der INSM-Studie ausmacht, werden hier die besten Noten verteilt.
Aber: Weder verläuft die Einführung der Bildungsstandards in Deutschland zufriedenstellend, noch ist in den Schulen der Wert von Vergleichsarbeiten erkennbar, noch ist der leistungsfördernde Effekt von zentralen Prüfungen wissenschaftlich erwiesen. Das zeigt, dass allein der bundesweite Abgleich von Maßnahmen auf dem Papier kein seriöses Bild der Qualität von Schule liefert. Aber das war offensichtlich auch nicht die Intention der Studie.
Im Fazit der heutigen Meldung wird denn auch deutlich, wo die Reise hingeht: mehr Wettbewerb und die Veröffentlichung der Leistungen der Schulen im Internet. Ein öffentliches Schulranking ist aus GEW-Sicht jedoch unseriös und inakzeptabel. Wissenschaftliche Studien können zudem keinen leistungssteigernden Effekt von Wettbewerb im Schulwesen nachweisen. Eher dient dieser dazu, die Unterschiede zwischen den Schulen zu vergrößern.
Eine solche Entwicklung wäre für Deutschland jedoch fatal. Noch immer gehört das deutsche Schulwesen zu den Spitzenreitern in Sachen Chancen-Ungleichheit. Noch immer hat sich Deutschland die zentrale PISA-Botschaft nicht zueigen gemacht, derzufolge in einem modernen Bildungssystem „Qualität“ und Chancengleichheit, Leistung und individuelle Förderung zwei Seiten einer Medaille sind.
So sind zum Beispiel andere PISA-Handlungsfelder, die die Kultusminister gemeinsam beschlossen hatten, nur halbherzig und wenig systematisch angegangen worden: etwa die konsequente Förderung Bildungsbenachteiligter, vor allem derer mit Migrationshintergrund, der zügige Ausbau von „echten“ Ganztagsschulen und die massive Qualifizierung der Lehrkräfte.
INSM Pressemeldung vom 27.05.08
// "Politik-Check Schule" dokumentiert Fortschritte in allen Bundesländern