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/ Jahrgang 2010
/ 03/2010
Bildungspolitik: PhormsKöln-Braunsfeld, Stolberger Straße. Zwischen grauen Bürogebäuden liegt der Schulhof der „Bilingualen Grundschule Phorms Köln“. Zwei Basketballkörbe, ein Klettergerüst, selbstgemalte Porträts von Kindern schmücken eine Wand. „Ich liebe diese Schule“, sagt eine Mutter, die gerade ihren Sohn abholt. „Aber mit dem Management habe ich ein Problem.“
Die Phorms Management AG in Berlin informierte die Eltern am 18. Februar, dass die Schule in der Stolberger Straße keine neuen Kinder aufnehmen wird. Das heißt: In vier Jahren macht Phorms den Standort dicht. „Wir sind verärgert und enttäuscht“, so Klaus Friedrich, Vorsitzender der Schulpflegschaft. Manche Eltern weinten. „Ich habe es meinem Sohn noch gar nicht erzählt“, bekennt eine Mutter.
Derzeit besuchen rund 120 Kinder die Kölner Phormsfiliale. Das Schulkonzept kam bei vielen Eltern an: Englisch ab dem ersten Schuljahr, kleine Klassen, Ganztag, engagierte Lehrkräfte. Wer sein Kind auf eine Phormsschule schickt, zahlt monatlich zwischen 90 und gut 1.000 Euro.
Nicht alles läuft rund
Dass nicht alles rund läuft in Köln, musste die Phorms Management AG bereits im August 2009 einräumen. Die Kölner Bezirksregierung untersagte der Privatschule, ein Gymnasium zu betreiben. Sie zweifelte an der Qualifikation der Lehrkräfte. Phorms beschäftigt viele Muttersprachler aus England, Südafrika, Kanada. In Nordrhein-Westfalen seien die Behörden besonders streng, beschwert sich Klaus Lechner, Aufsichtsratschef der Phorms Management AG. „Die verlangen einen deutschen Abschluss.“ Aus diesem Grund, so Lechner, sei „das Phorms-Konzept in NRW nicht umsetzbar“.
Aber auch aus Hannover zieht sich Phorms zurück. „Niedersachsen zahlt bundesweit die niedrigsten Fördergelder“, klagt Lechner. Phorms Hannover bekomme vom Land lediglich 175 Euro pro Schüler im Monat. „Hamburg zahlt 850 Euro“, so Lechner. Wussten die Phorms-Verantwortlichen das nicht vor dem Schulstart in Hannover? Lechner spricht von einer „Fehlentscheidung“. Phorms habe auf „Firmensponsoren“ gehofft. Doch die seien wegen der Finanzkrise ausgeblieben. Aufsichtsratschef Lechner versichert jedoch den Eltern in Hannover und Köln: Die Schule laufe jeweils weiter, bis alle Kinder ihre Grundschulzeit beendet haben.
Bereits im Januar berichtete die Financial Times Deutschland: Probleme bei Phorms in Hamburg, die dortige Schule habe drei Millionen Euro Verlust angehäuft. Aufsichtsratschef Lechner will diese Summe nicht bestätigen. „Jeder Schulstart kostet“, räumt er ein. Aber: „In Hamburg sind wir klar auf Planniveau.“ Lechner berichtet von Expansionsplänen in der Hansestadt. „Wir werden im kommenden Herbst an der Grundschule mit einer 5. Klasse starten.“ Passend zum Schulmodell des schwarz-grünen Senats, das die Primarstufe um die Klassen 5 und 6 erweitern will.
Bislang strotzten die Phorms-Verantwortlichen vor Selbstbewusstsein. Sie boten eine Vielzahl kommerzieller Dienstleistungen an, entwickelten etwa Schuluniformen und vermarkteten eine Online-Schulverwaltung. Sie versprachen, mit „Mechanismen der Marktwirtschaft“ Bildungsprobleme zu lösen. Nun will man sich auf das Kerngeschäft, den Betrieb von Privatschulen, konzentrieren. Der Mitbegründer und Phorms-investor Alexander Olek, ein ehemaliger Biotechnologie-Unternehmer, gab sein Mandat im Aufsichtsrat zurück. Und statt Béa Beste, der stets eloquenten Vorstandsvorsitzenden, spricht nun Aufsichtsratschef Lechner mit der Presse.
Marianne Demmer, GEW-Schulexpertin, kritisiert: „Für die GEW steht grundsätzlich in Frage, ob das Geschäftsmodell der Phormsschulen mit den Privatschulgesetzen der Länder vereinbar ist.“ Denn hinter den gemeinnützigen Trägern der Schulen, so Demmer, „steht eine Management AG, die erklärtermaßen mit Schulen und schulnahen Dienstleistungen Gewinn für ihre Aktionäre erzielen will“.
Derweil überlegen Eltern in Köln, wie sich die Schule retten lässt. Vielleicht springt ein anderer Privatschulträger in die Bresche. Oder Mütter und Väter gründen selbst einen Trägerverein. Klaus Friedrich von der Schulpflegschaft: „Wir denken in alle Richtungen.“
Matthias Holland-Letz,
freier Journalist