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02.04.2010

Von Deutschland über Istanbul nach Diyarbakir

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Mehr als fünfzehn Millionen Einwohner der Türkei verstehen sich als Kurden. Doch die türkische Regierung weigert sich bisher, die kulturellen Rechte der kurdischen Minderheit anzuerkennen und ihnen einen gleichberechtigen Platz im politischen und gesellschaftlichen Leben einzuräumen.

‚Durchs wilde Kurdistan’ hatte der bekannte deutsche Autor Karl May eines seiner zahlreichen Abenteuerbücher betitelt, mit denen er Generationen von Jugendlichen in die imaginären Welten fremder Länder und Kulturen entführte. Karl May hat bekanntlich nie die von ihm beschriebenen Länder besucht und auch das ‚wilde Kurdistan’ war lediglich ein Produkt seiner Phantasie. Sehr real allerdings ist das Volk der Kurden, das sich durch eine eigene Sprache und kulturelle Sitten und Gebräuche definiert. Der traditionelle Lebensraum der Kurden erstreckt sich auf eine Region, die Teile des heutigen Staatsgebiets von fünf Ländern umfasst: Türkei, Irak, Iran, Syrien und Armenien. Die zahlenmäßig größte Gruppe der Kurden lebt in der Türkei: Etwa ein Viertel der über siebzig Millionen Einwohner der Türkei sind Kurden. Lange Zeit war der Gebrauch der kurdischen Sprache in der Türkei verboten. Auch heute noch werden Kurden in der Türkei diskriminiert und verfolgt. Für Kemal Atatürk, den Gründer der modernen Türkei, galten die Kurden als ‚Bergtürken’ und ihre Assimilierung in die türkische Gesellschaft ist staatliches Programm. Traditionelle kurdische Städtenamen wurden durch türkische Namen ersetzt und der Gebrauch des Kurdischen in der Öffentlichkeit unter Strafe gestellt.

Spirale der Gewalt

Mit der Gründung der kurdischen Arbeiterpartei PKK und dem Beginn ihres gewaltsamen Kampfes für einen unabhängigen kurdischen Staat vor drei Jahrzehnten verschärfte sich der Konflikt um die Rechte der Kurden, der bis heute zehntausende Todesopfer gefordert hat. Auf die Terroranschläge der PKK reagiert der türkische Staat mit Militäraktionen und staatlicher Repression. Über drei Millionen Kurden sind vor der ständigen Bedrohung und Gewalt aus ihren Dörfern geflohen oder wurden vom türkischen Militär zwangsweise umgesiedelt. Die Unterdrückung der Kurden in der Türkei und die fortgesetzte Verletzung ihrer Menschenrechte führt national wie international immer wieder zu Protesten und Solidaritätsbekundungen. Die GEW tritt weltweit für die Verteidigung der Menschenrechte ein und setzt sich daher seit Jahren für die Rechte der kurdischen Minderheit in der Türkei und in Deutschland ein. Dies wurde mit einem Beschluss des GEW-Gewerkschaftstags in Nürnberg im Jahr 2010 noch einmal ausdrücklich bekräftigt. In der Türkei arbeitet die GEW eng mit der Bildungsgewerkschaft Egitim-Sen zusammen, die für das Recht auf muttersprachlichen Schulunterricht in kurdischer Sprache und eine friedliche Lösung des Kurdenkonflikts eintritt.

Links: Mächtige Stadtmauern umgeben die Altstadt von Diyarbakir
Mitte: Die Millionenstadt Diyarbakir ist die heimliche Hauptstadt der Kurden
Rechts: Der kurdische Name von Diyarbakir ist Amed

GEW-Delegation besucht türkische Kurdenregion

Um sich vor Ort zu informieren reist eine Delegation des GEW Hauptvorstands mit Unterstützung der Landesverbände Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen in der Osterwoche in die türkischen Kurdenregionen, wo verschiedene Projekte besucht und die Zusammenarbeit mit unserer Partnergewerkschaft Egitim-Sen vertieft werden sollen. Die GEW-Delegation setzt sich aus drei Frauen und zwei Männern zusammen: Stephanie Odenwald, im GEW-Hauptvorstand zuständig für berufliche Bildung und Weiterbildung, Sabine Skubsch, Lehrerin und Betriebsrätin beim Internationalen Bund in Karlsruhe, Marianne Seiler, Sozialpädagogin bei der Arbeiterwohlfahrt in München, Süleyman Ates, Lehrer an einer Kölner Gesamtschule und Manfred Brinkmann, Referent für Internationales beim Hauptvorstand der GEW in Frankfurt. Begleitet wird die Delegation von der Übersetzerin Fatma Kaze und dem Abiturienten Kai Vannahme, Sohn von Manfred Brinkmann. Erste Station unserer Reise ist Diyarbakir, die inoffizielle Hauptstadt der Kurden in der Türkei.

Ankunft in Diyarbakir

Die Anreise erfolgt am Karfreitag von München, Frankfurt und Köln über Istanbul, wo die Teilnehmer der Delegation zwischenlanden und erst im Weiterflug nach Diyarbakir zusammentreffen. Gegen 22:00 Uhr landen wir schließlich in Diyarbakir. Für eine Millionenstadt ist der Flughafen recht überschaubar. Vom Flieger aus folgen wir den Ortskundigen zu Fuß zur Ankunftshalle. Hikmet und Yildirim, Kollegen von Egitim-Sen, erwarten uns schon. An der gewaltigen alten Stadtmauer von Diyarbakir entlang werden wir zu einem in der Altstadt gelegenen Hotel gefahren. Wir treten in den herrlichen Innenhof einer früheren Karawanserei. In den restaurierten Zimmern dieser alten Herberge fallen wir nach dem langen Reisetag bald in tiefen Schlaf.

Links: Eingangstor zum Hotel ‚Kervansaray’
Mitte: Begrüßung durch die Kollegen der Egitim Sen
Rechts: Historischer Innenhof des Hotels

Text und Fotos: Manfred Brinkmann


Ankunft am Flughafen in Diyabakir



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