Türkei

Mit einem Bein in Europa, mit dem anderen in Asien: Die Türkei hat viele Gesichter. Gewerkschaften klagen über Unternehmerwillkür und staatliche Gängelung. Die Bildungsgewerkschaft Egitim-Sen wurde mehrfach vom türkischen Staat mit Verbot bedroht.

Ob Kopftuchstreit, EU-Beitritt oder Kurdenkonflikt: Die Türkei bewegt die Gemüter. Für die GEW ist die Türkei seit langem ein Schwerpunktland internationaler Zusammenarbeit. Die GEW-Solidarität mit der während der Militärdiktatur verbotenen Bildungsgewerkschaft Egitim-Sen markierte den Beginn einer engen Partnerschaft unserer beiden Gewerkschaften. Dazu kommt, dass türkische und kurdische KollegInnen (nicht nur wegen des Exils) in Deutschland als Lehrkräfte Arbeit aufnahmen und Mitglied in der GEW wurden.

Kooperation mit Egitim Sen

Stand zu Beginn die politische und gewerkschaftliche Unterstützung beim Wiederaufbau der Gewerkschaft im Fokus, so ist es heute der pädagogische und europäische Dialog mit der inzwischen anerkannten Bildungsgewerkschaft. Egitim Sen vertritt 116.000 Mitglieder in Schulen und Universitäten der Türkei. Die Gewerkschaft wurde Anfang der neunziger Jahre zu einem Zeitpunkt gegründet, als es den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes in der Türkei noch verboten war, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Erst 1999 wurde dieses Verbot aufgehoben und Egitim Sen offziell vom Staat anerkannt.

Erhalt des öffentlichen Bildungswesens

Egitim Sen setzt sich für den Erhalt und Ausbau des öffentlichen Bildungswesens ein, das frei zugänglich und vollständig vom Staat finanziert sein soll. Die Gewerkschaft wendet sich gegen die Pflicht zum islamischen Religionsunterricht und tritt für das Recht auf muttersprachlichen Unterricht ein. Bisher ist das türkische Schulwesen noch überwiegend in öffentlicher Verantwortung, obwohl auch hier Tendenzen zu verstärkter Privatisierung bestehen. Verbeamtete Lehrer, die bisher die große Mehrheit der etwa 700.000 Lehrkräfte an öffentlichen Schulen ausmachen, genießen wie in Deutschland Kündigungsschutz. In privaten und zunehmend auch in staatlichen Schule werden Lehrer jedoch oft nur befristet und zu wesentlich schlechteren Konditionen eingestellt.



Links: Unsal Yildiz wurde 2011 zum Egitim Sen Vorsitzenden gewählt
Mitte: Vorstandsmitglieder der Egitim Sen in Tunceli/Dersim
Rechts: Egitim Sen Kollege in Diyarbakir

(Fotos: Manfred Brinkmann)


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