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Traumjob Wissenschaftlerin?Von gleichen Chancen an Hochschulen sind Wissenschaftlerinnen noch weit entfernt. Obwohl heute jeder zweite Studierende eine Studentin ist und fast 40 Prozent der Promotionen von Frauen abgelegt werden, beträgt der Frauenanteil an den Professuren nur 13,6 Prozent, bei der höchsten Besoldungsstufe C 4 bzw. W 3 sind es sogar nur 9,2 Prozent. Statt im Wissenschaftssystem Karriere zu machen, steigen sie häufig in der kritischen Phase zwischen Promotion und Berufung aus der Wissenschaft aus. Der WR verzeichnet zwar seit 1987 einen kontinuierlichen Anstieg der Frauenanteile, kritisiert diesen aber als viel zu langsam. Im europäischen Vergleick liegt Deutschland mit diesen Zahlen an vorletzter Stelle und erweist sich als gleichstellungspolitisches Entwicklungsland.
So löste beim Wettbewerb um Gelder aus der Exzellenz-Initiative bei ausländischen Gutachtern immer wieder Befremden aus, dass viele Antragsteller die Chancenungleichheit nicht einmal als Problem wahrnahmen.
Der WR nimmt den aktuellen Forschungsstand insoweit auf, als er die Benachteiligung von Wissenschaftlerinnen nicht auf ein familienpolitisches Problem reduziert, sondern „strukturelle Barrieren“ sowie „subtil ausgrenzende Faktoren“ in den Mittelpunkt stellt. Denn sowohl Wissenschaftlerinnen mit Kindern als auch ohne Kinder stoßen auf der Karriereleiter an eine „gläserne Decke“, die sie am beruflichen Fortkommen behindert. Der WR weist in diesem Zusammenhang auf Fragen wie beispielsweise die unterschiedliche Bestätigungskultur von Studentinnen gegenüber Studenten hin. Letztere werden von Professoren eher ermuntert, eine wissenschaftliche Karriere einzuschlagen. Dahinter steckten, so der WR, „gleichgeschlechtliche Rekrutierungs- und Förderbeziehungen“, die dafür sorgten, dass Professoren eher Studenten, Doktoranden und Assistenten als deren Kolleginnen unterstützten.
Der WR legt zwar die Finger in die Wunde, doch bei seinen Schlussfolgerungen hält er sich auffällig zurück. Zunächst werden messerscharf die Handlungsfelder benannt, die zu bearbeiten sind: So müssten in der Nachwuchsrekrutierung und Personalentwicklung Auswahlverfahren formalisiert und transparent gemacht werden. Oder: Wissenschaft als Beruf bedürfe einer zeitgemäßen Work-Life-Balance – für Frauen und Männer. Eine überzeugende Strategie dafür, den Worten 100 Jahre nach Einführung des Frauenstudiums in Deutschland (1908 in Preußen) endlich Taten folgen zu lassen, bleibt der WR indes auch 50 Jahre nach seiner Gründung schuldig. Den Mut, eine Quotierung von Professorenstellen nach Geschlecht zu fordern, wie es die GEW in ihrem Positionspapier (siehe rechts unter Download) für richtig hält und für die sich zuletzt auch der ehemalige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Prof. Ernst-Ludwig Winnacker, engagiert hatte, brachte die Mehrheit der wissenschaftlichen Kommission des WR leider nicht auf.
Der Rat spricht sich stattdessen für einen „informellen Wettbewerb in Sachen Gleichstellung“ aus, innerhalb dessen die Hochschulen und Forschungseinrichtungen selbst Ziel- und Leistungsvereinbarungen aufstellen sollen. Offenkundig ein recht zahnloser Tiger, denn erst für den Fall, dass diese Maßnahmen „in absehbarer Zeit keine deutlichen Erfolge zeitigen und Zielvorgaben nicht erreicht werden“, hält der WR die „Anwendung institutionalisierter und auch finanzwirksamer Durchsetzungs- und Sanktionsmechanismen“ für geboten.
Dabei ist es heute nicht mehr fünf vor, sondern bereits fünf nach zwölf. Der Generationswechsel in der Professorenschaft ist in vollem Gange und wird in wenigen Jahren abgeschlossen sein. Maßnahmen, die erst „in absehbarer Zeit“ erwogen werden, kommen viel zu spät.
Anne Jenter,
Leiterin des GEW-Arbeitsbereichs Frauenpolitik/
Andreas Keller,
Leiter des GEW-Organisationsbereichs Hochschule und Forschung
(E&W 10/2007)
Wissenschaftsrat
// Empfehlungen zur Chancengleichheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (13.7.2007)