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03.11.2011

Selten fair: eine süße Versuchung mit bitterem Beigeschmack

Schokolade steht für Genuss und ein süßes Leben – doch die Bedingungen, unter denen Pflücker und Bauern in Afrika oder Lateinamerika Kakaobohnen ernten und vertreiben müssen, sind verheerend: Dumpinglöhne und das ungeschützte Hantieren mit Pestiziden sind die Regel (s. auch E&W 7/8 2010).

Allein in der Elfenbeinküste werden rund 40 Prozent des weltweiten Kakao-Anbaus geerntet – nicht selten von Kindern. Häufig sind diese von Menschenhändlern aus den armen Nachbarländern Mali, Togo oder Burkina Faso als billige Arbeitskräfte in die Elfenbeinküste verschleppt worden. Das US-Department of State schätzt, dass mehr als 100 000 Kinder in der Elfenbeinküste unter den schlimms­ten Formen der Kinderarbeit leiden. Sie besuchen auch keine Schule.

Nach Medienberichten über die Kinder- und Sklavenarbeit auf den Kakaoplantagen haben 2001 Vertreter der weltweiten Kakao- und Schokoladenindus­trie das so genannte Cocoa-Protocol unterzeichnet, um ihr Image aufzupolieren. In dem freiwilligen Abkommen verpflichteten sich die Unterzeichner, gegen die schlimmsten Formen von Kinderarbeit auf den Kakaofarmen vorzugehen. Die vertretenen Schokoladenhersteller sollten außerdem bis 2005 ein Zertifizierungssystem ausarbeiten und umsetzen. Passiert ist bis heute wenig. Noch 2008 hatte es die Kakaoindustrie nach einem Bericht des International Labour Rights Fund nicht geschafft, konkret nachzuweisen, dass ein Schokoladenriegel ohne Kinderarbeit entstanden ist.

Dennoch kommt jenseits des Kakao-Protokolls Bewegung ins Spiel: Einige große Unternehmen lassen heute die sozialen und ökologischen Bedingungen auf den Kakaofarmen Westafrikas untersuchen und ihre Rohstoffe entsprechend zertifizieren. Kooperationen bestehen etwa zwischen dem Konzern Kraft Foods (Milka, Toblerone) und der Rainforest Alliance. Mit der Kontrollinstanz Utz certified arbeiten außerdem Cargill und Nestlé zusammen. Auch die Coffee Shop-Kette Starbucks hat einen eigenen Kakaostandard mit starker sozialer Komponente erarbeitet. Und nach Standards der Fairtrade Labelling Organizations (FLO) arbeiten nach eigenen Angaben inzwischen mehrere Kooperativen und Händler in der Elfenbeinküste. Allerdings kann keines der Zertifizierungsprogramme Kinderarbeit auf Kakaofarmen wirklich hundertprozentig ausschließen – nicht einmal das nach strengen Kriterien vergebene Fair­trade-Siegel.

Martina Hahn,
freie Journalistin

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