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03.03.2006

Plädoyer für kleinere Klassen

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat heute in Berlin die Ergebnisse der Studie "Deutsch Englisch Schülerleistungen International" (DESI) vorgestellt. Überprüft wurde die Sprachkompetenz von Neuntklässlern in Englisch und Deutsch.

Zu den Ergebnissen der Studie ein Kommentar von Marianne Demmer, stellvertretende Vorsitzende und Schulexpertin der GEW:

"Wer sensationelle Neuigkeiten erwartet hat, ist von der DESI-Studie sicher enttäuscht. Für Lehrerbildung und Schulentwicklung ergeben sich jedoch interessante und hilfreiche Informationen.

Schulpolitisch wichtig sind nach Ansicht der GEW vier Punkte:

  • Die Studie weist nach, dass in kleineren Lerngruppen bessere Englischleistungen erzielt werden als in großen. „Damit ist den Behauptungen, die Klassengröße sei ohne Einfluss auf die Schülerleistungen, endlich empirisch der Boden entzogen,“ freut sich die Schulexpertin der GEW.
    Zitat Studie: „Hervorhebenswert erscheint uns ferner das Ergebnis, dass der Englischunterricht in zahlenmäßig größeren Klassen eine geringere Qualität aufweist. Dies ist ein Hinweis darauf, dass eine geringe Klassengröße für kommunikationsintensiven fremdsprachlichen Unterricht eine ernstzunehmende förderliche Bedingung ist.“ (S. 52)
  • Laut Studie ist auch ein weiterer Glaubenssatz deutscher Schulpolitik empirisch widerlegt, dass nämlich in Klassen mit gleich leistungsstarken Schülern mehr gelernt werde als in solchen mit einer großen Leistungsstreuung.
    Zitat Studie: „Ein anderes Merkmal des Klassenkontextes, die Leistungsheterogenität, erweist sich dagegen nicht als Risikofaktor, sondern als belanglos für die Leistungsentwicklung.“ (S. 52)
    Marianne Demmer: „Die empirischen Grundlagen des gegliederten deutschen Schulsystems schwinden von Studie zu Studie. Für das Aussondern und Sortieren von Kinder nach ihrer Leistungsfähigkeit gibt es keine wissenschaftlichen Grundlagen.“
  • Auch die Beschwichtigungsformel von der Durchlässigkeit des gegliederten Schulsystems gerät durch die Studie erheblich unter Druck. Vor allem bei den Englisch-Leistungen sind für Durchlässigkeit zwischen Hauptschulen und Gymnasien die Voraussetzungen nicht mehr gegeben: Die Kompetenzen der leistungsstärksten HauptschülerInnen sind niedriger als die der schwächsten GymnasiastInnen. Damit ist Englisch das stärkste Hindernis beim Wechsel von HauptschülerInnen zum Gymnasium.
  • Keine Unterstützung erhalten auch die Befürworter der „Deutschpflicht auf dem Schulhof“. Im Gegenteil: Wenn Schulen ihren Unterricht konsequent zweisprachig ausrichten, werden die besten Ergebnisse erzielt. SchülerInnen haben einen Leistungsvorsprung von ungefähr zwei Schuljahren."
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