/ Bildung & Politik
/ Bildungsforschung
/ Leistungsvergleiche
/ PISA
/ PISA-I-Plus
AusblickEs werden die Ergebnisse einer Messwiederholung berichtet. Und zwar sind alle Klassen, die 2003 als komplette 9. Klassen in die PISA-Studie einbezogen waren, im Jahr 2004 (dann im 10. Schuljahr) erneut getestet worden – in den Fächern Mathematik, Naturwissenschaften und Problemlösen.
Die Klassen gehören zu 220 Schulen verschiedener Schulformen – allerdings ohne Hauptschulen! Über die Lernzuwächse an Hauptschulen wird man also nichts erfahren. Wir werden nicht erfahren, ob dort mehr oder weniger oder gleich viel dazu gelernt wird wie in anderen Schulformen.
Für die Verteidiger des selektiven Schulsystems könnte das von Vorteil sein – bleibt ihnen doch vermutlich ein weiterer deutlicher Hinweis darauf erspart, dass an vielen Hauptschulen miserable Lernbedingungen herrschen. Mittlerweile kann man es bekanntlich in Zahlen ausdrücken, wie stark an Hauptschulen SchülerInnen mit gleicher Intelligenz und Kompetenz gegenüber denjenigen benachteiligt werden, die ein Gymnasium besuchen. An Hauptschulen geraten sie durchschnittlich gut 1,5 Schuljahre in Rückstand.
Für die Nichtberücksichtigung der Hauptschulen gibt es keinen sachlichen Grund. Es gibt genügend Bundesländer, in denen es ein 10. Schuljahr an Hauptschulen gibt und in denen man die Testwiederholung folglich im 10. Schuljahr hätte machen können. Will man sich erneute öffentliche Debatten über die Probleme der Hauptschulen ersparen oder welche Gründe haben zu diesem Ausschluss geführt?
Den Kompetenzzuwachs nach einem Jahr erneut zu messen halte ich grundsätzlich für sinnvoll. Ein Problem der Öffentlichkeit im Umgang mit den PISA-Punkten und Kompetenzstufen bestand nämlich bislang darin, nicht zu wissen, was eine bestimmte Punktdifferenz praktisch bedeutet. Hilfsweise wurden seitens der PISA-Forscher Zeiträume angegeben. Ca. 38 PISA-Punkte in Mathematik, so hieß es z. B. längere Zeit, entsprächen einem Lernfortschritt, der sich durchschnittlich unter normalen Unterrichtsbedingungen in ca. einem Schuljahr erreichen lässt. Allerdings wurden diese Angaben in der wissenschaftlichen Community stark hinterfragt. Allein in den Zusammenfassungen der deutschen Berichterstattung zu PISA 2003 findet man folgende nicht unbedingt übereinstimmende Angaben:

Diesen vagen Angaben soll nun offenbar abgeholfen werden. Insgesamt erhoffen sich die PISA-Forscher von dieser Untersuchung Aufschluss darüber, welche Kompetenzentwicklung sich im Verlauf eines Schuljahres vollzieht.
Man darf gespannt sein, denn abgesehen von dem peinlichen Makel, dass es ausgerechnet zu den Kompetenzzuwächsen an Hauptschulen keine Berechnungen gibt, kann die Untersuchung interessante Aufschlüsse zu folgenden Fragen geben:
Welche Lernzuwächse gibt es bezogen auf
Für einen Vergleich der Bundesländer ist die Stichprobe zu gering. Und ob alle denkbaren Aspekte tatsächlich untersucht wurden, muss sich zeigen.
Marianne Demmer
Leibnitz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN):
// Testdesign für PISA-I PLUS