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17.11.2006

PISA-I-Plus: nichts dazugelernt

40 Prozent der Zehntklässler in Deutschland haben innerhalb eines Schuljahres keinen Lernfortschritt in Mathematik gemacht. Dies ist das erschreckende Ergebnis einer PISA-Nachfolgestudie, die heute in Berlin vorgestellt wurde.
Beunruhigende Ergebnisse zum Kompetenzzuwachs bei Jugendlichen

Für die Untersuchung PISA-I-PLUS wurden im Jahr 2004 bundesweit 6000 Schüler, die bereits 2003 an der PISA-Studie teilgenommen hatten, noch einmal getestet. Ziel der sog. Längsschnittstudie war es, zu sehen, wie sich die mathematisch-naturwissenschaftlichen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern im Lauf eines Schuljahres entwickeln.

Die Ergebnisse, die das deutsche PISA-Konsortium heute präsentierte, sind Besorgnis erregend: Lediglich 60 Prozent der Jugendlichen erzielten bessere Leistungen als im Jahr zuvor. Bei einem Drittel waren keine Lernforschritte zu beobachten, acht Prozent der Getesteten schnitten sogar schlechter ab.

In den Naturwissenschaften fiel das Ergebnis noch deutlicher aus: Nur 44 Prozent der Schülerinnen und Schüler konnten ihre Kompetenzen in Biologie, Physik und Chemie im Verlauf des Schuljahres steigern, 19 Prozent verschlechterten sich.

Keine Aussage über Ursachen

Neben den Leistungstests wurden den Schülern diesmal auch zusätzliche Fragen gestellt, etwa zu ihrer Wahrnehmung des Mathe-Unterrichts, zur Motivation oder zur Computernutzung. Auch Eltern und Lehrer erhielten Fragebögen.

Die Zusatzfragen griffen jedoch nach Ansicht der GEW zu kurz. Die stellvertretenden GEW-Vorsitzenden Marianne Demmer kritisierte, dass die Studie letztlich nichts über Gründe und Ursachen der Untersuchungsergebnisse aussage und erst recht keine Lösungsstrategien aufzeige. „Lehrkräfte, Eltern und Schüler werden wieder einmal ratlos zurückgelassen“, betonte die Demmer. Sie verlangte eine Ursachenanalyse, die auf die Situation der einzelnen Klasse bezogen ist.

Demmer appellierte an die Kultusminister, sich statt auf Bestandsaufnahmen endlich auf Unterrichts- und Schulentwicklung zu konzentrieren „Testeritis und Zentralprüfungsmanie breiten sich immer weiter aus, gehen aber in die völlig falsche Richtung“, so die GEW-Sprecherin. „Die Lernleistungen der Schülerinnen und Schüler werden nicht durch die ständige Erhöhung des Drucks auf Kinder und Lehrkräfte besser: Wir brauchen fachlich und pädagogisch gut ausgebildete Lehrkräfte, mehr Lernen in Gruppen und verstärkte individuelle Förderung.“

Demmer wies außerdem darauf hin, dass der Wert der Untersuchung durch das Aussparen der Hauptschulen vermindert werde. „Gerade angesichts der großen Probleme in dieser Schulart hätte sich die GEW viel mehr Aufklärung gewünscht.“.


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