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16.11.2006

Nationales Forum Beratung gegründet

Im Herbst ist in Berlin das Nationale Forum Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung (NFB) als rechtsfähiger Verein gegründet worden. Zu den Gründungsmitgliedern gehören auf Gewerkschaftsseite GEW, IG Metall und ver.di. Der DGB wird voraussichtlich, ebenso wie die Arbeitgeberseite, im Kuratorium des Vereins mitarbeiten.

Neben Experten aus Wissenschaft und Beratungseinrichtungen ist auch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) vertreten. Die zuständigen Ministerien haben ihre Unterstützung zugesagt.

In der bildungspolitischen Debatte in Deutschland und im Ausland besteht weitgehend Konsens, dass das lebenslange Lernen heute von jedem Einzelnen eingefordert wird sowie durch allgemein zugängliche Beratungsangebote auch zu unterstützen ist – von der Schule bis hin zur Weiterbildung. Beiden Postulaten ist allerdings gemeinsam, dass ihr Stellenwert in Grundsatzerklärungen in einem krassen Missverhältnis zu ihrer Praxis steht.

Das heißt: So wie lebenslanges Lernen für viele aufgrund finanzieller, zeitlicher und in der eigenen Lernbiographie begründeten Barrieren kaum realisierbar ist, so gibt es auch Beratungsangebote für Bildung, Beruf und Beschäftigung nur partiell und längst nicht für alle Menschen erreichbar. Insbesondere beim Übergang von Ausbildung in Beschäftigung und in der Weiterbildung fehlen diese Angebote fast völlig. Die Kapazitäten für die Schullaufbahnberatung reichen bei weitem nicht aus. Die Studienberatung kann dem auch wegen der Neustrukturierung der Hochschulausbildung gestiegenen Bedarf kaum entsprechen.

Und die Berufsberatung der Agenturen für Arbeit (Arge) ist von Abbau und einer Neudefinition ihrer Ziele betroffen, die mit den Aufgaben von Bildungs- und Berufsberatung immer weniger zu vereinbaren ist.

Verbindliche Plattform

In dieser hier nur holzschnittartig beschriebenen Situation wird es höchste Zeit, dass das Thema Bildungs- und Berufsberatung eine höhere bildungspolitische Priorität erhält und eine verbindliche organisatorische Plattform geschaffen wird, die dieses Anliegen vorantreibt.

Im Vorfeld der Forumsgründung haben sich die Initiatoren auf gemeinsame Ziele verständigt, wobei ein Konsens zwischen so unterschiedlichen Positionen wie denen der GEW und des DGB einerseits und denen der Arbeitgebervertreter andererseits gefunden werden musste. Diese sind in dem Leitdokument „Mission-Statement“ vom 1. Dezember 2005 festgelegt und werden die Arbeit des Vorstands und der weiteren Gremien des NFB bestimmen. Folgende Ziele und Handlungsfelder sollen realisiert werden:

  • Verbesserter Zugang für alle Bürgerinnen und Bürger zu kompetenter Beratung, mehr Transparenz, Vernetzung und Weiterentwicklung der Beratungsangebote.
  • Einsatz für die Beratungsbelange bestimmter Zielgruppen (etwa Personen mit Migrationshintergrund, mit Behinderungen, Berufsrückkehrerinnen, ältere Arbeitnehmer, Jugendliche mit schlechten Startchancen).
  • Die Verständigung auf Qualitätsstandards zur Durchführung der Beratung und für die Qualifikation des Beratungspersonals.
  • Diskurs über geeignete Evaluationsinstrumente für Qualitäts- und Erfolgskontrollen von Beratung.

Gemeinsames Handlungsprogramm

Auf der Grundlage dieser Ziele wird sich der Vorstand, in dem die GEW vertreten ist, auf ein gemeinsames Handlungsprogramm verständigen. Aus GEW-Sicht sollte es dem NFB vor allem darum gehen, Handlungsfelder für die Politik und die verschiedenen Akteure aufzuzeigen. Insofern sollte das Forum auch Lobbyarbeit für den Ausbau und die Verbesserung der Beratungsangebote betreiben.

Bereits seit 2005 begleiten und kommentieren die Initiatoren des Forums die vom Bundesbildungsministerium in Auftrag gegebene und von der Firma Ramboll in Berlin durchgeführte Untersuchung über Beratungsangebote in Deutschland, die voraussichtlich Anfang 2007 abgeschlossen ist. Eine kritische und mit Handlungsvorschlägen verbundene Bestandsaufnahme der Berufs-, aber auch der Studien- und der Weiterbildungsberatung sowie die Qualifikation und Kompetenzen von Bildungs- und Berufsberatern sind Themen, mit denen sich das Forum – auch auf der für das nächste Jahr geplanten Tagung – befassen sollten.

Natürlich will das Forum möglichst viele Akteure für eine Mitarbeit und Unterstützung gewinnen. Mitglieder können alle mit Beratung befassten Institutionen, Verbände, Forschungseinrichtungen und Ausbildungsstätten für Beratungsfachkräfte werden sowie Einzelpersonen, die ausgewiesene „Beratungsexperten“ sind.

Ursula Herdt

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