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Nahostreise – Hoffnung auf Frieden?Erste Station der Reise war das Dorf „Neve Shalom – Wahat al-Salam“ (Aue des Friedens) nahe Tel Aviv, in dem über 50 Familien jüdischer und palästinensischer Herkunft zusammen leben, lernen und arbeiten. Das Dorf wird seit den 70er Jahren demokratisch verwaltet. Die Schulen erhalten keine Unterstützung vom Staat Israel, sie leben von Spenden und von Zuschüssen der EU. Von der bi-nationalen Kinderkrippe bis zur Junior High School werden über 200 Kinder betreut. Die Leiterin, Frau Evi Guggenheim, erklärte uns das Prinzip der Bildungseinrichtungen: Schon im Kindergarten wird hebräisch und arabisch gesprochen. Die Kulturen und Identitäten beider Völker werden gepflegt und als Bereicherung empfunden. Die Vision einer humanen und gerechten Gesellschaft ist ein wichtiger Unterrichtsinhalt.
Um diese Gedanken zu verbreiten, finden ständig Workshops für Jugendliche über den Konflikt in der Region statt, ebenso Ausbildungskurse für Gruppenleiter und für Studenten in Zusammenarbeit mit vier israelischen Universitäten. Das Projekt erzieht die Jugendlichen bewusst zu Botschafter/innen des Friedens. 45.000 junge Leute haben diese Kurse durchlaufen. Über 300 Erwachsene, die heute in vielen Organisationen arbeiten, haben eine Ausbildung in Konfliktmanagement absolviert.
Nächstes Reiseziel war unsere Evangelisch-Lutherische Partnerschule in Beit Sahour, nahe Bethlehem (Westbank). Seit fast 20 Jahren übernimmt der Wieslocher Verein Patenschaften für bedürftige Schüler und organisiert Schüleraustausche mit Schulen in unserer Region. Im Jahr 2010 werden wieder palästinensische Schüler in Heidelberg erwartet. Die Leiter, der Rektor Salameh Bishara und Pastor Hadad, stellten uns das Profil der Schule vor: „Glaube, Liebe und Hoffnung“ sind in den besetzten Gebieten zur Überlebensfrage geworden und finden in den Unterrichtsinhalten viel Raum. Hoffnung bedeutet in diesem Zusammenhang, dass sich die Menschen durch keine Einschüchterung oder Behinderung von ihrem Boden vertreiben lassen und dem militärischen Vormarsch und Siedlungsbau durch ihr Da-Sein und Da-Bleiben entschlossenen friedlichen Widerstand entgegensetzen.
Von der Vorschule bis zur Universitätsvorbereitung lernen die ca. 400 Schüler christlicher und islamischer Herkunft gemeinsam. Wir konnten eine Deutschstunde in der 9.Klasse erleben und im persönlichen Gespräch vieles über die Perspektiven und Träume der Jugendlichen erfahren. Wie bei uns sprühten sie vor Vitalität, denken aber auch darüber nach, welche Zukunftschancen sie in einer hoch ummauerten Stadt haben. Die Schule hat zum Ziel, das politische und soziale Leben zu verbessern, demokratische Strukturen zu lehren und als christliche Palästinenser für Frieden und Verständigung zu werben. Eltern der Schule hatten uns danach in Kleingruppen zu sich nach Hause zu einem Mittagessen eingeladen und wir hatten die Möglichkeit, in sehr herzlicher Atmosphäre über Alltag und Politik zu sprechen.
In Ramallah (Westbank) besuchten wir eine Behinderteneinrichtung. Dort trafen wir Frau Dr. Farhat Naser, die uns über die aktuelle Lage informierte. Sie beklagt, dass den Palästinensern nur noch 9% ihres Landes zugestanden wird (bei gleicher Bevölkerungszahl wie die israelische Bevölkerung). Wir sahen auch das Büro der „Gesellschaft für technische Zusammenarbeit“. Eines der großen Projekte, stark von EU-Mitteln unterstützt, ist das Fördern von Schulpartnerschaften u. a. mit Deutschland. Es werden Schulen gesucht, die an einem solchen friedensstiftenden Austausch Interesse haben. Mailadresse:
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Empfang in der Schule von Beit Sahour (links); Deutsch-Unterricht mit der Klasse 9 (Mitte); im Friedensdorf Neve Shalom
Text und Fotos: Renate Schenk und Jörg Haberer