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Nadine SchmittWährend meines Anerkennungsjahres habe ich wieder in Wittlich gearbeitet, an der Kita in Neuerburg, in der ich jetzt auch bin. Bevor ich hier meinen ersten befristeten Vertrag bekommen habe, war ich noch knapp anderthalb Jahre in Landscheid in einem katholischen Kindergarten. 2001 habe ich einen auf zwei Jahre befristeten Vertrag bekommen, der mehrmals um ein Jahr verlängert wurde. Jetzt habe ich noch einen bis 2007, der hoffentlich wieder verlängert wird.
Wir sind elf Frauen und ein Mann. Zusätzlich haben wir eine Praktikantin im Anerkennungsjahr. Ich bin zusammen mit einer Kollegin für die Werkstatt zuständig. Da wir ein offenes Konzept haben, gibt es keine Gruppen. Dennoch ist jede Erzieherin für zwölf Kinder zuständig. Das heißt nicht, dass wir nur auf diese zwölf achten, wir sind selbstverständlich für jedes der hundert Kinder zwischen zweieinhalb und sechseinhalb Jahren zuständig. Aber wir tragen für die zwölf eine besondere Verantwortung in der Eingewöhnungsphase und organisieren ihre Beobachtung, indem wir für sie ein Bildungsbuch anlegen, in dem ihre einzelnen Entwicklungsschritte festgehalten werden.
Für die Beobachtung gibt es verschiedene Methoden und Leitfäden. Mit Hilfe eines Orientierungsbogen beantworten wir zum Beispiel Fragen zur Sinneserfahrung, zur sozialen, sprachlichen, emotionalen und motorischen Intelligenz, also: Was sieht das Kind? Was hört das Kind? Mit welchen Kindern spielt es? Spricht das Kind in ganzen Sätzen? Wie verhält es sich beim Vorlesen oder bei Gesprächen? Zeigt es Mitgefühl und Rücksicht? Jedes Kind trifft jeden Tag neue Entscheidungen: ob es in der Bibliothek Geschichten lauscht, die wir ihnen vorlesen, im Werkraum Holz sägt, schmirgelt, verschraubt oder im Konstruktionsraum Brücken baut. Auch diese Entscheidungsprozesse halten wir in den Bildungsbüchern fest. Dafür notieren wir in einer Tabelle ungefähr alle fünfzehn bis dreißig Minuten, in welchem Raum ein Kind spielt: was, mit wem und wie.
Jeden Dienstag haben wir eine Teamsitzung, die unsere Leitung moderiert. Während der Sitzung planen wir aufgrund der beobachteten Interessen und Entwicklungsschritte neue Projekte und Aktivitäten, die wir den Kindern anbieten können. Wir sprechen über einzelne Kinder, ihre Ressourcen, und wie wir diese am besten fördern können. Wir analysieren aber auch Konflikte innerhalb des Teams, zwischen Kindern, Kindern und Eltern oder auch zwischen uns und den Eltern. Ich bin zusätzlich für die Tagesstätte verantwortlich.
Von unseren 100 Kindern sind 35 Tageskinder, die bis 17 Uhr bei uns sind. Zu meinem Arbeitsalltag gehört die Vorbereitung und Reflexion von Elterngesprächen, die Vorbereitung von Angeboten in der Werkstatt entsprechend der beobachteten Interessen der Kinder, die Praxisanleitung, die Aufsicht und die Teilnahme an Eltern- und Themenabenden. Die Kinder, die als nächstes eingeschult werden, brauchen eine besondere Betreuung, wozu unter anderem das Besuchen der zukünftigen Schule gehört.
Die Kinder, die neu zu uns kommen, werden von ihren Eltern begleitet und entdecken mit uns in der Eingewöhnungsphase Schritt für Schritt die Einrichtung. Für Teamfortbildungen laden wir Referent/-innen in die Einrichtung ein. Im Oktober besuchte ich ein Seminar zum Thema Praxisanleitung. Ich betreue schon jetzt eine Praktikantin für Sozialassistenz, aber werde demnächst für alle Praktikant/-innen, also auch für Erzieher/-innen im Anerkennungsjahr, zuständig sein. Ich habe eine Fortbildung ‚Experimentieren mit Kindern’ besucht und einmal im Monat finden gemeinsam mit den anderen städtischen Einrichtungen Arbeitsgemeinschaften zu verschiedenen Themen statt, Einblick in die Logopädie und ähnliches.
Ich muss ständig auf die Kinder reagieren, ihre Interessen aufgreifen, Projekte entsprechend gestalten. Wir geben keine Themen vor, sondern entwickeln unsere Angebote entsprechend der Interessen, die wir bei den Kindern beobachtet haben. Dieses komplexe Konzept müssen wir auch den Eltern vermitteln. Es kann passieren, dass wir eine ganz andere Sicht auf das Kind haben als sie. Da wir aber unbedingt mit ihnen zusammen arbeiten müssen, ist die Kommunikation mit ihnen sehr wichtig. Auch die Kommunikation mit den Kindern ist sehr intensiv, da durch die Beobachtung vieles sichtbar und ansprechbar wird.
Dazu kommt Büroarbeit wie Telefondienst oder die Beurteilung von Praktikant/- innen. Ich mache auch viel körperliche Arbeit, jäte Unkraut, beschneide Weiden oder pflastere mit den Kindern zusammen einen Weg. Wir haben letztens mit den Kindern eine Wasserbahn gebaut. Den Zement und die Rohre haben wir mit ihnen zusammen im Baumarkt eingekauft. Natürlich muss ich beim Bauen mit den Kindern besonders auf sie achten. Da fällt gerne mal ein Stein auf den Fuß. Aber die Kinder wachsen bei uns auch damit auf und können sich selbst und ihre Kräfte sehr gut einschätzen. Sie beobachten sich, angeregt durch unser Beobachtung und Dokumentation.
Ich brauche einen Ausgleich zu meinem Beruf. Ich werde sehr direkt und emotional angesprochen. Es kommt vor, dass die Kinder oder auch ihre Eltern wütend werden oder enttäuscht sind. In solchen Momenten kann ich nicht gleich mit den Eltern reden, sondern muss erst meine eigenen Emotionen abbauen und einen späteren Gesprächstermin anbieten, um die Konflikte zu klären. Manchmal passiert auch alles auf einmal: die Praktikantin kommt nicht weiter, ein Kind fällt vom Holzpferd und hat eine blaue Nase, eine Mutter muss unbedingt mit mir sprechen und ein anderes Kind hat sich übergeben.
Es gibt Tage an denen ich sehr viel Zeit auf dem Klo verbringe. Es kommt immer wieder vor, dass sich ein Kind einnässt oder auch mal Durchfall hat. Wir haben da sehr genaue Hygienevorschriften. Und es ist nicht sehr angenehm, mit den Handschuhen und dem Desinfektionsmittel zu arbeiten. Manche Kinder kommen auch mit starken Körpergerüchen in die Einrichtung und sind gar nicht richtig sauber. Wir waschen sie, auch um ihnen zu zeigen, wie das geht.
Die Einrichtung ist sehr groß, viele Menschen verbringen hier den Tag unter einem Dach. Entsprechend oft muss ich auf unterschiedliche Menschen und ihre unterschiedlichen Bedürfnisse reagieren. Die Arbeit, die ich mache, ist sehr wertvoll. Es ist wichtig, Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten, gerade in diesem Alter. Viele Inhalte aus meiner Ausbildungszeit an der Fachschule sind nicht mehr aktuell, denn nicht nur die Generationen haben sich verändert, sondern auch unser Angebot. Wir bieten immer mehr Ganztagsbetreuung an und sind jetzt auf dem Weg zur Krippe, das heißt wir werden in Zukunft unter Zweieinhalbjährige betreuen.
Ich arbeite Vollzeit von 8:15 bis 17:00 Uhr und dienstags bis 18:00 Uhr. Aber es kommt immer wieder vor, dass ich auch länger bleiben muss, wenn Eltern kurzfristig anrufen, weil sie im Stau stehen und ihr Kind nicht rechtzeitig abholen können. Dazu kommen Extrastunden für Fortbildungen. Ich bin auch mal zwei Tage unterwegs und halte mit unserer Leitung einen Vortrag über Beobachtung und Dokumentation in Berlin. Das erfordert viel Eigeninitiative und Offenheit für Fortbildungen. Ich habe früher BAT 5 c bekommen und bin jetzt Entgeltgruppe 8. Das sind netto 1.300 Euro.