Im Rahmen eines Kooperationsprogramms des DGB Bildungswerks mit gewerkschaftlichen Partnern in Kolumbien war ich vom 4.11.bis zum 13.11. in Bogotá und Medellin und habe dort mit Vertretern der Bildungsgewerkschaft FECODE (Federación Colombiana de Educatores), des Gewerkschaftsdachverbands CUT (Central Unitaria de Trabajadores de Colombia), der Regionalorganisation der Bildungsgewerkschaft ADIDA (Asocciación de Institutores de Antioquia), der gewerkschaftsnahen Bildungs- und Forschungseinrichtung ENS (Escuela Nacional Sindical) und weiteren Menschen gesprochen.
Kolumbien ist ein Land der Gegensätze. In keinem Land der Welt werden so viele Menschen wegen ihrer gewerkschaftlichen Arbeit ermordet. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad liegt aufgrund von Repression und Gewalt bei unter fünf Prozent. Die seit vier Jahrzehnte anhaltende Gewalt in Kolumbien hat viele Menschen zu Vertriebenen im eigenen Land gemacht. In der Millionenstadt Medellin fährt die Seilbahn („metrocable“) über ein riesiges Gebiet von Holzhütten und Verschlägen – Menschen, die aus allen Landesteilen in die großen Städte geflüchtet sind. Arbeitslosigkeit, Gewalt und Armut prägen viele Stadtteile in den Metropolen Bogotá und Medellin.
Die FECODE ist die größte Gewerkschaft in Kolumbien. Die Bildungsgewerkschaft produziert regelmäßig Radio- und Fernsehprogramme, was bei einer Medienlandschaft, die in den Händen ganz weniger liegt, eine sehr hohe Bedeutung hat. Bei einem mehrtägigen Kongress, der unter anderem von FECODE organisiert war, ging es um die Gegenwart und die Zukunft des LehrerInnenberufs. Die Ausstattung, Lebens- und Bildungssituation ist äußerst schwierig. Klassengrößen von fünfzig SchülerInnen, Schichtunterricht am Vormittag und am Nachmittag, manchmal gibt es auch noch eine Abendschicht. Die Gehaltsunterschiede zwischen altem und neuem Lehrpersonal sind extrem unterschiedlich.
In Kooperation mit dem DGB Bildungswerk arbeiten die Organisationen ENS, FECODE und ADIDA an einem Erinnerungsprojekt zu den ermordeten, verschwunden, verhafteten und vertriebenen Lehrerinnen und Lehrern. Als Resultat soll ein Dokumentarfilm über die Opfern produziert werden.
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Oben: Kongress der FECODE (links). Fotos erinnern an die verschwundenen und ermordeten Gewerkschafter (Mitte). Interview für den Radiosender der Gewerkschaft (rechts)
Unten: Wandparolen 'Krieg oder Bildung' (links). Besuch einer Schule (Mitte). Die Seilbahn fährt über die Armenviertel Medellins (rechts)
Fotos: Sabine Herold

Sabine Herold, GEW Bremen (links) und Kerstin Röske, DGB Bildungswerk (links unten) mit Lehrerinnen und Lehrern in Kolumbien
// Einsatz für Gewerkschaftsrechte
Kolumbientagung des DGB-Bildungswerks
27. - 29. November 2009
DGB Bildungszentrum Hattingen