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/ Jahrgang 2010
/ 07-08/2010
/ Schwerpunkt 07-08/2010: Kinderarbeit
Kinderarbeit: ThöneBildung ist ein notwendiger Schritt für Menschen, um Armut und Perspektivlosigkeit entkommen zu können. Diese Überzeugung war ausschlaggebend dafür, dass auf dem so genannten Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen 189 Staaten (von 193!!!) in ihrem Acht-Ziele-Katalog, der bis 2015 umgesetzt werden soll, für den Bildungsbereich formulierten: Primarschulbildung für alle Jungen und Mädchen!!!
Doch dieses Ziel ist gefährdet. Die reichen Länder halten ihre finanziellen Zusagen nicht ein. Die Regierungen der armen Länder lassen es oft an Bereitschaft und Anstrengung fehlen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten gegen Kinderarbeit vorzugehen.
Bildung statt Arbeit
Die weltweit verbreitete Kinderarbeit ist eine besondere Hürde. Wo Kinder für die Sicherung ihrer Existenz oder die ihrer Familien arbeiten müssen, hat Schule keine Chance. Deshalb haben sich inzwischen viele Organisationen in der Kampagne „Stop Childlabour – school is the best place to work “ (www.stopchildlabour.net/) zusammengetan. Die GEW unterstützt diese Kampagne.
Auch der DGB und die Gewerkschaften müssen sich deutlicher als bisher dieses Themas annehmen. Überall, wo Kinder arbeiten müssen, arbeiten sie an Stelle von Erwachsenen. Sie werden von Ausbeutern benutzt, um selbst Minimallöhne noch einmal zu unterlaufen. Das darf die internationale Gewerkschaftsbewegung nicht länger hinnehmen.
Es gibt gute Beispiele. So kämpft die IG BAU dafür, nur noch den Import zertifizierter Grabsteine zuzulassen, die nicht aus Kinderarbeit kommen (www.igbau.de und www.xertifix.de).
Wir können auch hier in Deutschland etwas erreichen, wenn wir es nur wollen. Wir können überall dort, wo wir aktiv werden, für „kinderarbeitsfreie Zonen“ sorgen. Setzen wir uns beispielsweise dafür ein, dass im Supermarkt alle Produkte, in denen Kinderarbeit steckt, aus den Regalen verschwinden.
Für die GEW sehe ich eine besondere Verantwortung: Denn es geht um Bildung statt Kinderarbeit.
Kinderarbeit wird GEW-Thema
Aus diesem Grund hat sich die Abteilung Internationales beim GEW-Hauptvorstand vorgenommen, den Schwerpunkt ihrer Arbeit – zunächst bis 2015 – dem Erreichen des Millenniumsziels
zu widmen. Da unsere Kräfte begrenzt sind, werden wir uns für den Anfang auf den Zusammenhang zwischen Kinderarbeit und der Verletzung des Menschenrechts auf Bildung konzentrieren. Wir werden mit nationalen und internationalen Partnern in ausgewählten Projekten kooperieren, um dort, wo Schule noch Luxus ist, Kindern eine Zukunft zu geben. Dazu können wir unsere Kernkompetenzen in allen Fragen von Bildung und Erziehung einbringen.
Gleichzeitig kann die GEW das Drehkreuz zwischen Hilfsorganisationen, Gewerkschaften und Politik sein. Gemeinsam können wir durch intensive Medienarbeit das Verbot der Kinderarbeit zum Thema machen. Unser Anspruch ist, die grausame Wirklichkeit der betroffenen Kinder ins Alltagsbewusstsein der Menschen zu heben.
Wir müssen zeigen, dass Kinderarbeit nicht nur ein Problem ferner Welten ist, sondern dass wir täglich mit ihr in Berührung kommen, dass wir durch Mangel an Aufklärung, Unbesonnenheit und Eigennutz Teil des Problems sind.
Wir können dafür sorgen, dass das Thema Kinderarbeit in den Bildungseinrichtungen behandelt wird, z. B. im Rahmen eines Projektes. Material dazu gibt es in Hülle und Fülle (s. Marginalspalte). Die Industrie- und Dienstleistungsgewerkschaften können eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit in ihren Organisationsbereichen leisten.
Mehr als Charity
Uns allen muss klar sein: Überall, wo in unseren Supermärkten und Kaufhäusern Produkte aus Kinderhänden verkauft werden, schafft das Absatzmärkte für Ausbeuter und Lohndrücker. Der Kampf gegen Kinderarbeit geht deshalb deutlich über Charity hinaus.
Es ist dringend an der Zeit, dass wir uns als Mitglieder der Bildungsgewerkschaft gerade auch dort für das Recht auf gute Bildung für alle engagieren, wo es mit Füßen getreten wird. Für Bildung statt Kinderarbeit zu streiten, sollte zu einem festen Bestandteil unserer gewerkschaftlichen Arbeit werden. Das heißt vor allem, dass wir bereit sind, uns selbst zu ändern.
Ulrich Thöne,
GEW-Vorsitzender
Unterrichtsmaterial:
veröffentlicht das Welthaus Bielefeld: www.welthaus.de; Welthaus Bielefeld u. a.: Eine Welt im Unterricht (Sek. I/II). Materialien – Medien – Adressen. 72 S., Bielefeld 2009. Preis: drei Euro. Bezug: Welthaus Bielefeld, Tel.: 05 21/9 86 48-0, E-Mail: 
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