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Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren

Die Juniorprofessur ist im Rahmen der Dienstrechtsreform mit der 5. Novelle des Hochschulrahmengesetzes (HRG) im Februar 2002 als neue Personalkategorie an deutschen Hochschulen eingeführt worden.

Die Juniorprofessur dient der Qualifikation und kann - nach erfolgreicher Zwischenevaluation - für zweimal drei Jahre vergeben werden. Die Juniorprofessur sollte sich durch volle Selbstständigkeit in Forschung, Lehre und Weiterbildung auszeichnen. JuniorprofessorInnen dürfen Promotionen abnehmen und sollen eine drittmittelfähige Grundausstattung erhalten; sie haben ein Lehrdeputat von 4 bis 8 Semesterwochenstunden (SWS). Die StelleninhaberInnen werden der Gruppe der HochschullehrerInnen zugeordnet.

Die GEW hat die Einführung dieser neuen Personalkategorie unterstützt, aber auch kritisch begleitet. Schon im Jahr 2003 hat die GEW öffentlich auf Missstände bei den ersten Besetzungsverfahren hingewiesen: bei den arbeits- und dienstrechtlichen Regelungen gab es große Unterschiede in den Bundesländern und sogar an den Hochschulstandorten eines Bundeslandes. Die Lehrdeputate der JuniorprofessorInnen waren unterschiedlich hoch, die Ausstattung der Juniorprofessuren mit Sach- und Personalmitteln war nicht klar geregelt.

Im Interesse der JuniorprofessorInnen hat die GEW gefordert, die Beliebigkeit zu beenden und konkrete Vorschläge zur Nachbesserung der Juniorprofessur gemacht. Auf der 23. GEW-Sommerschule gab es ein Diskussionsforum mit Betroffenen und hochschulpolitischen Akteuren. Aus den Ergebnissen dieser Gespräche hat die GEW-Projektgruppe „Arbeitsplatz Hochschule und Forschung“ (ProG Arbetsplatz HuF) personengruppenspezifische Thesen und ausführliche Argumente entwickelt.

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 27.07.2004 wurde die gesetzliche Regelungsdichte erheblich reduziert. Claudia Kleinwächter hat die ursprünglichen und die revidierten gesetzlichen Vorlagen einander gegenübergestellt (AP-HuF-2005/24). Nach Auffassung der GEW sind durch das Gesetz zur Änderung dienst- und arbeitsrechtlicher Vorschriften im Hochschulbereich (HdaVÄndG) vom 27.12.2004 jedoch keineswegs alle Defizite beseitigt. Dringender Handlungsbedarf besteht bei der Ausgestaltung der Evaluationsverfahren zur Bewährungsfeststellung nach den ersten drei Dienst- bzw. Beschäftigungsjahren. Vor allem fehlt es noch immer an einem umfassenden personalpolitischen Konzept für den Wissenschaftsbetrieb, um den JuniorprofessorInnen Karriereperspektiven zu eröffnen. - Der Vorschlag der GEW: „Wissenschaft als Beruf“ auf der Grundlage tarifvertraglicher Regelungen, auch für HochschullehrerInnen. Die Einstellung von Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren sollte auf Basis eines Tenure Track erfolgen, der den jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschiedliche Karriereperspektiven eröffnet, ihnen aber den dauerhaften Verbleib an der Hochschule ermöglicht – unabhängig davon, ob die Berufung auf eine Professur erfolgt oder nicht. Die GEW fordert die Überwindung der Habilitation.

Die Arbeitsbedingungen und die Vergütung der JuniorprofessorInnen sollte nach Auffassung der GEW angestelltenrechtlich ausgestaltet werden. Das regelhafte Beamtenverhältnis auf Zeit (W1) ist für die JuniorprofessorInnen zwar mit einer höheren Netto-Vergütung verknüpft, bringt aber eine Reihe von versorgungsrechtlichen Problemen mit sich. Im Hinblick auf die Planungsunsicherheit des Karrierewegs ist die fehlende Arbeitslosenversicherung als besonders gravierend anzusehen. Eine angemessene Vergütung der JuniorprofessorInnen könnte analog zu LeiterInnen von Nachwuchsgruppen im Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungs-Gemeinschaft (DFG) erfolgen und sollte tarifvertraglich ausgehandelt werden.

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