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NewsE&W: Du wirst an der Demonstration gegen die Bolkestein-Richtlinie teilnehmen?
Heiner Kockerbeck: Ja, ich fahre am 11. Februar nach Berlin. Der DGB in Köln wird einige Busse organisieren
E&W: Und die GEW?
Kockerbeck: Es werden einige Kolleginnen und Kollegen mitfahren. Aber, wenn man das so trennen kann – ich fahre eher als WASGler denn als GEWler. Ehrlich gesagt, das scheint den meisten in meinem Kollegium noch nicht so recht klar zu sein, welche massiven Einschnitte auf das Bildungswesen zukommen.
E&W: Wirst du mit Kollegen darüber reden, warum du demonstrierst?
Kockerbeck: Natürlich. Ich werde noch an unserem GEW-Brett im Lehrerzimmer einen Aushang machen, und ich werde ein paar Kollegen ansprechen. Aber ich bin nicht allzu optimistisch, dass viele mitkommen werden. Ich halte es für wichtig, in Berlin dabei zu sein und den Protest der Gewerkschaften und der Nichtregierungsorganisationen (NGOs) damit zu unterstützen. Außerdem finde ich es persönlich spannend, dabei auch Kollegen aus anderen Gewerkschaften und den NGOs wie attac kennen zu lernen und die Möglichkeit zum Austausch zu haben
E&W: Du bist selbst Beamter. Warum ist das für dich wichtig, nach Berlin zu fahren?
Kockerbeck: Die Bolkestein-Richtlinie wird das gesamte Lohngefüge in Deutschland, die Arbeitsbedingungen durcheinanderwirbeln und auch den Bildungsbereich stärker deregulieren.
Wir bekommen in der Schule hautnah mit, wie es in Elternhäusern zugeht, die von so genannten „Kostensenkungen“ und „Reformen“ betroffen sind. Eltern haben immer öfter Probleme, Klassenfahrten, Bücher und Materialien oder selbst das Mensaessen ihrer Kinder zu finanzieren. Sie haben offensichtlich weniger Zeit oder Kraft, den schulischen Belangen ihrer Kinder genügend Aufmerksamkeit zu schenken. Wir Lehrer müssen deshalb mit vielen Kindern und Eltern intensiver arbeiten als früher. Sozialarbeiter fehlen an allen Ecken und Enden. Soweit zu meiner professionellen Betroffenheit.
Stärker tangiert ist allerdings meine Frau, die bei einem privaten Bildungsträger arbeitet. Von ihr weiß ich, wie sich die Rahmenbedingungen im Weiterbildungsbereich bereits verschlechtert haben. Ein Grund, warum sie mit nach Berlin fährt. Vermutlich würden Bildungspolitiker am liebsten - wie in der Weiterbildung - die Gehälter an öffentlichen Schulen erheblich senken. Ansätze dazu gibt es seit längerem.
E&W: Befürchtest du, dass bald polnische Lehrer den deutschen Konkurrenz machen werden?
Kockerbeck: Nein, das kann ich mir kaum vorstellen. Wahrscheinlich wird sich die neue Dienstleistungsrichtlinie zunächst in schulnahen Arbeitsfeldern auswirken. Die Folge wird eine Privatisierung der Gebäude sein, sozusagen ein public private partnership beim Gebäudemanagement. Mit den Konsequenzen, dass wir beispielsweise auf unsere Bibliothekarin verzichten müssten, unser Hausmeister fiele weg, nur noch der Haustechniker würde übrig bleiben. Die Mensa wird bereits von einem Verein „ehrenamtlich“ betrieben.
E&W: Reicht das als Motivation, um an einer Demonstration teilzunehmen? Oder hast du noch andere Gründe?
Kockerbeck: Nein, meine Motivation und mein Unbehagen macht sich vor allem an etwas Grundsätzlichem fest: Ich beobachte seit längerem, dass die alte Bundesrepublik Schritt für Schritt sozial- und bildungspolitisch ausgehöhlt wird. Wenn jetzt zusätzlich die Bolkestein-Richtlinie umgesetzt wird, mag ich mir die Verhältnisse kaum vorstellen, die sich gerade im Bildungsbereich einstellen können. Es ist schon seltsam, dass so etwas Weitreichendes wie Bolkestein ohne öffentliche Diskussion quasi durch die Hintertür politisch lanciert wird. Im Nachhinein wird sicherlich von der Politik behauptet, dass es eine neue Richtlinie aus Brüssel gebe, der man leider zu folgen habe.
Interview: Karl-Heinz Heinemann