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09.09.2008

Integrationskongress - Hospitation in einer Integrativen Schule

Die Hospitationen an mehreren integrativen Schulen in Hamburg lieferten Beispiele für gelungene Arbeit auf dem Weg zur inklusiven Schule.

Eine beeindruckende integrative Grundschule

Eine der besuchten Schulen war die Grundschule Brockdorffstraße in Hamburg - Rahlstedt. Es handelt sich um eine dreizügige, integrative Grundschule mit Vorschulklasse. Vor fast sieben Jahren wurden die I-Klassen und IR-Klassen zu einheitlich organisierten integrativen Klassen zusammengeführt, so dass in allen Klassen behinderte, nicht behinderte und von Behinderung bedrohte Kinder gemeinsam unterrichtet, gefördert und gefordert und betreut werden. Multiprofessionelle Teams von GrundschullehrerInnen, SonderpädagInnen und ErzieherInnen haben sich hier auf den Weg zur inklusiven Schule gemacht.

Wie offensichtlich bei den meisten Schulen gibt es einen für die Öffentlichkeit bestimmten Flyer mit einer kurzen Vorstellung des Schulprogramms: Die Schulbezirksgrenzen sind offen und Eltern können für ihr Kind die Schule weitgehend wählen.

Die Grundschule Brockdorffstraße ist eine "Verlässliche Halbtagsschule", die eine Betreuung bis 13 Uhr garantiert, wobei es bei den Klassen 1 und 2 einen für die individuellen Bedürfnisse offenen Ausgang gibt. Die gesamte integrative Arbeit der Schule wird geprägt durch Differenzierung, Individualisierung, Förderplanung, Arbeits- oder Wochenplan, kooperative Lernformen und soziales Lernen. Der Unterrichtstag wird in drei Zeitblöcke strukturiert, wobei im zweiten Block die dominierenden geöffneten Unterrichtsformen am stärksten vertreten und parallel laufende Angebote zu finden sind ("Förderschiene"). Kleine Pausen oder Bewegungszeiten werden nach Bedarf durch die Klassenteams geregelt. Die in mehrere kleinere Häuser aufgeteilte Gebäudeanlage weist einige Besonderheiten auf: Spielehaus und Schulgarten, Papp- und Holzwerkstatt, Bücherei und SINUS-Werkstatt. Es gibt additive, jahrgangsübergreifende Sprachfördergruppen (Lesen, Richtig Schreiben, Sprechen, Deutsch als Zweitsprache) und nach 13 Uhr zusätzliche Förderangebote (wie AGs im Saarland).

Das Soziale Lernen wird besonders betont: In allen Klassen findet regelmäßig ein Klassenrat statt; der Schülerrat trifft sich alle zwei Monate, außerdem gibt es einen Schülerratsbriefkasten (eine Art "Kummerkasten"); Kinder der 3. und 4. Klassen übernehmen Patenschaften für Schulanfänger; Kurse zur Stressbewältigung oder zur Entwicklung des Selbstbewusstseins werden angeboten. Das Schulleben umfasst viele wiederkehrende Aktivitäten und Veranstaltungen (Projekttage- und wochen, Schulfeste und -feiern, Sprachentag, Wettbewerbe, Ausflüge und Sportveranstaltungen, ...).

Anmerkung:
Ein sehr interessantes Beispiel für eine Erziehungsvereinbarung zwischen Schule und Elternhaus wurde von einer anderen Grundschule aus Harburg vorgestellt: Dabei verpflichten sich Lehrkräfte, Erziehungsberechtigte und Kinder per Unterschrift auf Grundsätze eines gemeinsamen Schulethos.

Alle Kinder haben die Möglichkeit, bis zum Ende von Klasse 4 im Klassenverband zu bleiben. Wiederholungen sind seltene, intensiv beratene Ausnahmen. Statt Zensuren gibt es Berichtszeugnisse. Die Leitidee ist es, eine Schule für alle Kinder zu sein: "Wir wünschen uns, dass es in unseren Klassen normal ist, verschieden zu sein."

Die Schule bewirbt sich um die Teilnahme am Schulversuchsprogramm "Moderne Kompetenzmessung und -beschreibung (Kompetenzraster)". Weitere Schwerpunkte sind u.a. die Teilnahme an ELLI (Erhebung der Lernausgangslagen und Lernstände) und Personalführung/-entwicklung. Schulentwicklung ist wie an den anderen besuchten Schulen selbstverständlicher Bestandteil, der Gesamteindruck ist sehr professionell und engagiert.

Der Ansatz dieser Schule basiert auf bestimmten Grundbedingungen, die man beim Vergleich mit dem Saarland beachten muss: Zu nennen sind vor allem Doppelbesetzungen, multiprofessionelle Teams, Entlastung der Schulleitung für pädagogische Aufgaben, Schulentwicklung als ausdrücklicher Bestandteil der Arbeitszeit von Lehrkräften, eine entsprechende Kommunikations- und Konferenzkultur, Offene Unterrichtsformen und Notenfreiheit.

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