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/ Integrationskongress Hamburg
ArbeitsgruppenU. Vieluf (Leiter des Hamburger Landesinstituts, Abteilung Qualitätsentwicklung) stellte die von den integrativen Schulen Hamburgs in Auftrag gegebene Langzeitstudie ELLI vor. In dieser Studie werden zwei komplette Jahrgänge fast aller integrativen Regelschulen in ihrer Lernentwicklung über die gesamte Grundschulzeit beobachtet. Bereits jetzt lässt sich feststellen, dass die Lernvoraussetzungen bei Schuleintritt bis zu dreieinhalb Lernjahren auseinander liegen. Alarmierend ist, dass etwa jedes 9. Kind als vernachlässigt gelten muss. Diese Kinder zeigen auch nach einem Jahr Schule noch deutlich schlechtere Leistungen als andere Kinder.
Die Bedeutung der präventiven Arbeit im Vorschulbereich wurde hervorgehoben: Aus den Untersuchungen ergaben sich viele Hinweise auf sogenannte Vorläufer-Kompetenzen und entsprechende Förderansätze in Kindergärten/-horten/-tagesstätten. Es gelte anregungsreiche Milieus zu schaffen, wobei Kinder- und Jugendschutzmaßnahmen, Einbeziehen von Sozialarbeit und volle Ganztagsschulen angesprochen wurden. Als interessante Erkenntnis ist außerdem festzuhalten, dass die bei den Untersuchungen benutzten Instrumente vom Aufwand und der Konzeption her gut übertragbar erschienen (z. B. HSP Hamburger Schreibprobe).
In einem gemeinsamen Beitrag von Frau Dr. Schumann (freie Bildungsjournalistin) und Professor Dr. Wocken wurde der Frage nachgegangen: „Fördern Förderschulen?“ (i. e. Sonderschulen). Dabei wurde durch beide wissenschaftlichen Untersuchungen eindrucksvoll belegt, dass die im „Bildungskeller“ der Gesellschaft befindlichen Kinder sich schämen, weil sie aus dem Regelschulsystem herausgefallen sind. Gleichzeitig befinden sich in Förderschulen in überwiegender Anzahl die ohnehin schon auch in Schule Benachteiligten, nämlich Jungen, überdurchschnittlich häufig mit Migrationshintergrund, und Kinder aus bildungsfernen und sozial schwachen Familien.
Betont wurde, dass den Lehrkräften keinerlei Vorwurf zu machen sei, doch trotz ihrer sehr guten, pädagogisch hoch motivierten Arbeit seien die negativen Systemeffekte und Strukturmängel übermächtig. Es käme insgesamt nicht zur erhofften Kompensation, sondern bestenfalls zu Stagnation - allerdings mit den belastenden negativen Effekten in Selbstwahrnehmung und Fremdtypisierung. Die reduktive Didaktik müsse in Frage gestellt werden, sie führe zu Unterforderung: Anregungsarme Schulmilieus mindern die Leistungsfähigkeit.
Im Vortrag von Frau Dr. Heissl-Deporta aus Südtirol wurde deutlich, dass auch in einem Land, das die Sonderschulen abgeschafft hat, der Unterricht für alle Kinder dann am lernförderlichsten ist, wenn Lehrerin und Sonderpädagogin als Team gemeinsam für Unterricht und Förderung aller Kinder zuständig sind. Wesentlich ist außerdem ein lokales Unterstützungssystem.
Im Vortrag von Frau A. Hausotter (Europäische Agentur für Sonderpädagogische Förderung) wurde deutlich, dass Deutschland den höchsten Förderbedarf hat, was integrative Beschulung betrifft. Kein europäisches Land sondert so viele Kinder in besondere Schulen aus.
Wie eine Pädagogik aussehen muss, die Heterogenität von Lerngruppen als Chance begrüßt und als Herausforderung annimmt, wurde von Prof. A. Hinz, Frau Dr. I. Boban und Frau Prof. S. Seitz aus wissenschaftlicher Sicht ebenso eindrucksvoll beschrieben wie in den zahlreichen Workshops, die sich mit gelungener Integrationspädagogik der integrativen Regelschulen vorstellten. Hinz und Boban erläuterten Schlüsselelemente der Inklusiven Pädagogik und bezogen sich dabei auf den bekannten Inklusionsindex (Links siehe Infokasten). Auch das Rosenberg-Modell der Giraffen- und Wolfssprache kam dabei zur Sprache: Wer sich für dieses originelle Konzept interessiert, sollte einfach einmal "googeln" (Giraffe-Wolf-Rosenberg), es lohnt sich!
Im Rahmen des Kongresses wurden die TeilnehmerInnen, aber auch Menschen aus der Umgebung der Schulen , PolitikerInnen, Stadtteilinstitutionen, etc. in die integrativen Schulen zum Hospitieren eingeladen. Dieses Angebot wurde zahlreich genutzt. Eine Beispielschule ist weiter unten beschrieben.
(überarbeitete und ergänzte Presseerklärungen des Vihs)
Hospitation in einer integrativen Schule