Einmal im Jahr wird an den Hamburger Partnerschulen Leóns kräftig die Werbetrommel gerührt für den Beginn einer Sammelaktion. Die schulischen Gremien sowie Schüler, Lehrer und Eltern erfahren Neuigkeiten aus dem 10.000 km entfernten Nicaragua. Wer schon einmal in dem Land war, informiert durch Diavorträge und persönliche Berichte. Die Klassen stellen Kartons und Tonnen auf, um für Schüler wichtige Dinge wie Hefte, Schreibzeug, Lineale, Spitzer und Radiergummis zu sammeln. Manche Schulen schicken zusätzlich auch Fußbälle, Trikots, Turnschuhe, Zeichenmaterial, Kuscheltiere und gebrauchte Kleidung etc. an ihre Partnerschulen. Auch Geldspenden sind willkommen.
Danach werden alle Spenden in große blaue Tonnen verstaut, zuerst in einer Garage der GEW gesammelt und dann in den Hamburger Hafen gefahren und in einem Container verstaut. Schüler und Lehrer registrieren Art und Menge des Schulmaterials auf Packzetteln, damit nichts verloren geht und auch eine Kontrolle über die Verteilung möglich ist. Die Tonnen sind wasserfest, preiswert und werden in Nicaragua gerne für alle möglichen Zwecke verwendet: Als Wassertonne oder als robuster Aufbewahrungsort z. B. für Kleidung oder für die Nahrungsmittel der Schulspeisung. Schließlich wird der Container verladen – und das Containerschiff kann ablegen.
Nach ca. drei Wochen Fahrt über den Atlantischen Ozean kommt der Container an der Karibikküste in Honduras, Nicaragua oder Costa Rica an und macht dann eine Überlandfahrt nach León. Von der Lehrergewerkschaft ANDEN wird das Material an die einzelnen Partnerschulen verteilt. Die Ankunft des Containers ist jedes Jahr für die beteiligten Schulen ein Ereignis, das mit einem Fest auf der Plaza Central von León gefeiert wird. Im März 2009 war eine Delegation von zwölf Hamburger Lehrerinnen und Lehrern in Nicaragua. Zusammen mit vielen Leóner Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen, mit der ANDEN und Vertretern der Stadt León feierten sie das 25-jährige Bestehen der Schulpartnerschaften und das 20-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und León.
Im Herbst 2009 ging der 24. Container nach León – wie immer organisiert von der GEW mit Hilfe des Nicaragua-Vereins. Die Frachtkosten werden inzwischen zur Hälfte vom Senat der Hansestadt Hamburg bezahlt und in Nicaragua unterstützt die Stadt León mit ihren logistischen Möglichkeiten die ANDEN. Insgesamt beteiligten sich 16 Hamburger Schulen an der diesjährigen Aktion. Tonnen und Pakete im Wert von 22.000 Euro wurden gepackt. Außerdem wurden Spenden von zwölf weiteren NGOs sowie dem Hamburger Senat im Wert von etwa 40.000 Euro mit dem Container verschifft.
Die Container-Aktion hat nun schon 24 Jahre Tradition an Hamburger Schulen. Der Gesamtwert der verschickten Schulmaterialien in dieser Zeit beträgt mehr als eine halbe Million Euro. Da viele Schulen immer auch größere Geldbeträge nach León geschickt haben, um Schulräume zu errichten oder die Ausstattung der Schulen zu verbessern, kann man davon ausgehen, dass – zusammen mit den Spenden der GEW Hamburg – über die Hamburger Schulpartnerschaften in diesen Jahren ein materieller Wert von fast einer Million Euro nach León geflossen ist.
Horst Stöterau
GEW-Hamburg
Mittelamerika-Gruppe
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Oben: Vorbereitung des Containers mit Schulmaterialen in Hamburg
Unten: Containerschiff (links) - SchülerInnen in Nicaragua (rechts)
Fotos: GEW Hamburg