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Globaler BildungshandelBildungsinhalte werden zur konfektionierten Ware, über deren effiziente Herstellung und Vertrieb man im Internet nachdenkt, Schülerinnen und Schüler werden zu Kunden, Hochschulen und Schulen zu Dienstleistungsunternehmen. Nun wäre ja nichts dagegen zu sagen, dass Bildungseinrichtungen sich an den Bedürfnissen derer orientieren, denen sie dienen sollen, den einzelnen Menschen und der Gesellschaft. Aber es geht um etwas Anderes: Dass sie fertig konfektionierte "Contents" verkaufen, dass die Freiheit der Subjekte dann nur noch darin besteht, sich im "Cafeteria-System" dieser Bildungsdienstleister ein scheinbar individuelles Menü aus den vom Anbieter zum Konsum feilgebotenen Bausteinen zusammen zu stellen. Aus dem Subjekt als aktivem Gestalter seines eigenen Bildungsprozesses wird der Konsument eines von global agierenden Providern vorgekochten Menüs.
Nicht mehr verknöcherte Ministerialbürokraten mit ihren Verordnungen, planungswütige Technokraten oder interessengeleitete Parlamentarier sollen das Bildungssystem steuern, sondern der Markt. Angebot und Nachfrage nach Bildung regeln den Preis. Auf dem Markt soll Konkurrenz herrschen und das heißt: Monopole müssen fallen. Auch das Staatsmonopol auf Bildung - sofern es noch besteht. Und in einer globalisierten Wirtschaft muss auch der Bildungsmarkt global sein. Geregelt wird dieser weltweite Bildungsmarkt durch das GATS, das General Agreement on Trade in Services. Dieses internationale Abkommen wurde schon 1994 geschlossen.
Nicht nur in der Öffentlichkeit wurde damals überhaupt nicht zur Kenntnis genommen, dass dieses Handelsabkommen gravierende Auswirkungen auf Bildung und Erziehung hat. Zunächst einmal weniger in der Praxis als vielmehr in der Auffassung davon, was Bildung ist: ist sie ein Grundrecht, geht es um die Aneignung von Welt, die Entwicklung des Selbst, oder ist sie eine Ware, dient sie der Entwicklung von "Humankapital " und Qualifikationen. Man kann die beiden Sichtweisen nicht als sich ausschließende Gegensätze begreifen, aber es gibt einen Widerspruch, der nur gelöst werden kann, wenn wir uns seiner bewusst sind. Dazu, ihn bewusst zu machen und
über seine "Aufhebung" im produktiven Sinne nachzudenken, soll dieser Flyer helfen.