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25.11.2009

GEW und GÖD unterstützen europaweite Bildungsproteste

Im Rahmen einer Regionalkonferenz der Bildungsinternationale in Warschau starteten GEW und die österreichische Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) jetzt einen gemeinsamen Aufruf zur Unterstützung der aktuellen Bildungsstreik-Aktionen.

Das Treffen der europäischen Bildungsgewerkschaften vom 23. bis 25. November in der polnischen Hauptstadt bot 300 Bildungsexperten aus 46 Ländern die Gelegenheit zu intensiver Diskussion und grenzüberschreitender Zusammenarbeit. GEW und GÖD nutzten dies für die Entwicklung und Veröffentlichung ihres gemeinsamen Aufrufs:

Bildungsgewerkschaften unterstützen die europaweiten Protestaktionen

"Studierende, Schülerinnen und Schüler in Österreich, Deutschland und anderen Staaten haben Protestaktionen gegen die Bildungskatastrophe gestartet. Ihre Proteste werden von Lehrerinnen und Lehrern, Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern und ihren Gewerkschaften unterstützt. Es entwickelt sich eine breite europäische Bewegung für eine Kehrtwende in der Bildungspolitik. Deshalb haben GEW und GÖD diesen Aufruf zur Unterstützung der Schülerinnen, Schüler und Studierenden vorgelegt. Wir laden Bildungsgewerkschaften in ganz Europa ein, diesen Aufruf zu unterzeichnen. Rückmeldungen bitte an Dr. Andreas Keller (für Hochschule und Forschung verantwortliches Vorstandsmitglied der GEW): E-Mail-Adresse.

Es ist etwas faul in Europa. Schulen, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen sind chronisch unterfinanziert. Während über Nacht Billionen Euro für die Rettung der Banken mobilisiert werden konnten, tun sich die Regierungen schwer, wenn es um die dringend erforderlichen Zukunftsinvestitionen in die Bildung geht. Junge Menschen werden durch ungleiche Bildungschancen und fehlende Ausbildungs- und Studienplätze ihrer Zukunftschancen beraubt. Kinder aus bildungsfernen und einkommensarmen Familien sind an den Hochschulen deutlich unterrepräsentiert. Der Bologna-Prozess hat ein besseres Studium und eine leichtere Mobilität versprochen, seine Umsetzung führt in vielen europäischen Staaten zu Verschlechterungen. Schulen und Hochschulen werden Markt und Wettbewerb ausgesetzt und zu Bildungs-Unternehmen umstrukturiert. Die Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen im Bildungsbereich werden mehr und mehr flexibilisiert, befristete Beschäftigungsverhältnisse sind im Vormarsch. Darunter leiden die Qualität der Bildung und die Attraktivität der anspruchsvollen Berufe in Bildung und Wissenschaft.

Damit muss endlich Schluss sein. Es ist höchste Zeit für eine Kehrtwende in der Bildungspolitik, die Bildungsarmut bekämpfen, Chancengleichheit herstellen und gute Bildung für alle gewährleisten muss!

Deshalb fordern Bildungsgewerkschaften in ganz Europa


  • eine deutliche Verbesserung der Finanzierung der Bildungseinrichtungen nicht trotz, sondern wegen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise: Investitionen in die Bildungseinrichtungen und in die Zukunftschancen junger Menschen sind das beste Konjunkturprogramm;
  • Chancengleichheit für alle jungen Menschen – durch eine gute Schule für alle, die die Auslese der Kinder stoppt und ihre individuelle Förderung gewährleistet, durch eine leistungsfähige Ausbildungsförderung für alle Studierenden sowie die Reduzierung aller Bildungsgebühren von der Kita bis zur Uni mit dem Ziel der Abschaffung;
  • einen Kurswechsel bei der Umsetzung des Bologna-Prozess, der die soziale Dimension des europäischen Hochschulraums stärkt, die uneingeschränkte Durchlässigkeit beim Übergang vom Bachelor zum Master gewährleistet, die Mobilität von Studierenden und Hochschulbeschäftigten fördert und die Qualität von Lehre und Studium verbessert;
  • Innovation durch Partizipation in Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen – durch einen Ausbau der Mitbestimmungsrechte von Beschäftigten sowie von Studierenden, Schülerinnen und Schülern;
  • eine Verbesserung der Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen der an den Bildungseinrichtungen Beschäftigten – durch mit den Gewerkschaften ausgehandelte, sozial abgesicherte und angemessen vergütete Beschäftigungsverhältnisse.

Die Qualität der Bildung und die Qualität der Arbeit sind zwei Seiten einer Medaille! Es ist höchste Zeit für eine Protestbewegung, in der Studierende, Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Lehrkräften, Pädagoginnen und Pädagogen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und allen anderen im Bildungsbereich Beschäftigten an einem Strang ziehen, um den Forderungen nach einer Kehrtwende in der Bildungspolitik Nachdruck zu verleihen. Gemeinsam gegen die Krise – für gute Bildung und gute Arbeit!"


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