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20.02.2008

GEW macht sich für kostenloses Essen in Kitas und Schulen stark

Bildungsgewerkschaft auf der „didacta“: Kinder- und Bildungsarmut sind zwei Seiten einer Medaille

Stuttgart – „Ein kostenloses Frühstück und Mittagessen für alle Kinder in Kitas und Schulen“ hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf der Bildungsmesse „didacta“ vorgeschlagen. „Wer Kinder- und Bildungsarmut gezielt abbauen will, muss mehr Mittel in institutionelle Maßnahmen stecken. Dazu gehören eine kostenlose Kita- und Schulspeisung, die Lehrmittelfreiheit wieder einzuführen und Lernmittel weiterhin unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Die Schulen müssen so gut ausgestattet werden, dass Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Familien die gleichen Chancen wie ihre Klassenkameraden haben“, erklärte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne am Mittwoch während der Pressekonferenz „Das Recht auf Bildung“ mit dem UN-Sonderbeauftragten Vernor Muñoz in Stuttgart. „Für Mädchen und Jungen aus armen Familien müssen zudem der Kinderzuschlag erhöht und die Regelsätze angehoben werden.“

Viele Kinder und Jugendliche kämen morgens hungrig in den Kindergarten oder die Schule. Eine große Zahl Hartz IV-Empfänger meldete ihre Kinder vom Mittagessen ab, weil sie sich die Verpflegung in Kitas und Schulen schlicht nicht leisten können, begründete Thöne seinen Vorstoß zur kostenlosen Schulspeisung mit hochwertiger Nahrung.

Er sprach sich dafür aus, zusätzliche Gelder in die frühkindliche Bildung zu investieren. So sollen mehr und kostenlose Ganztagsplätze in Krippen und Kitas - abgesichert durch einen Rechtsanspruch der Eltern - bereit gestellt sowie die Qualität der Angebote verbessert werden. Zudem müssten die Schulen endlich konsequent auf Ganztagsbetrieb umstellen. „Die flächendeckende Einführung verbindlicher Ganztagsschulen bietet den Lehrkräften die Chance, sich gerade um benachteiligte Kinder und Jugendliche intensiver zu kümmern – ein sinnvolles pädagogisches Konzept der Einrichtung vorausgesetzt. Gleichzeitig müssen wir aber auch davon Abstand nehmen, die Kinder auszusieben. Die Bundesrepublik braucht ein inklusives Schul- und Bildungssystem, damit Kinder mit Behinderungen, aus sozial schwächeren Haushalten oder Familien mit Migrationshintergrund nicht länger die Verlierer in unserer Gesellschaft bleiben“, ergänzte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer.

„Wir müssen den Teufelskreis aus Kinder- und Bildungsarmut durchbrechen. Diese sind zwei Seiten einer Medaille. Sie wachsen und werden von Generation zu Generation vererbt. Das Engagement für gute Bildung und gegen Kinderarmut ist der zentrale Schlüssel für mehr sozialen Frieden in unserer Gesellschaft“, sagten die GEW-Sprecher. „Es wird höchste Zeit für eine gemeinsame, abgestimmte Politik zwischen Bund, Ländern, Kommunen und anderen gesellschaftlichen Kräften. Nur so können wir die sozialen Probleme in unserer Gesellschaft an den Wurzeln packen.“

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