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07.03.2008

GEW: „Wissenschaftlerinnen sind mehr wert!“

Bildungsgewerkschaft zum Internationalen Frauentag: Professorinnenprogramm ersetzt keine systematische Gleichstellungspolitik mit Quoten

Frankfurt a. M. – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat das Programm für 200 Professorenstellen für Frauen in den nächsten fünf Jahren grundsätzlich begrüßt. „Der Vorstoß ersetzt jedoch keine systematische an Gleichstellung orientierte Personalpolitik an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Es muss ein Ruck durch Deutschlands Hochschulen gehen, damit Frauen tatsächlich nach vorne gebracht werden. Wir brauchen einen abgesicherten quotierten Frauenanteil auf jeder Stufe der Karriereleiter an allen Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Auch im Wissenschafts- und Forschungsbetrieb gilt: ‚Frau ist mehr wert’ – nicht nur am Internationalen Frauentag“, sagte Anne Jenter, für Frauenpolitik verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied, am Freitag in Frankfurt a.M. Es sei skandalös, dass bis heute nur zehn Prozent der höchsten Besoldungsstufen an Unis mit Frauen besetzt sind, obwohl mittlerweile mehr Frauen als Männer studieren.

Männer in Entscheidungspositionen an den Hochschulen bevorzugten noch immer Männer. Das zeigen die Statistiken und die Erfahrungen vieler Wissenschaftlerinnen, sagte Jenter: „Frauen bleiben in der männerbündischen Kultur an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen auf der Strecke. Der Mythos des Wissenschaftlers, der sein ganzes Leben der Forschung hingibt, muss entzaubert werden.“ Die Lebenswirklichkeit von Frauen solle in den Wissenschaftsbetrieb Einzug halten. Falsche Maßstäbe führten zur Ausgrenzung von Wissenschaftlerinnen. Unabhängig davon, ob diese tatsächlich Kinder haben, werde die potenzielle Mutterschaft als Kriterium für geringere Leistung gewertet. Studien zeigten jedoch, dass weder die Publikationsrate noch das Leistungsniveau von Wissenschaftlerinnen mit Kindern niedriger sei als bei ihren männlichen Kollegen.

Jenter mahnte ein verlässliches Qualifizierungs- und Aufstiegssystem für die Hochschulen an. „Viele Nachwuchswissenschaftlerinnen landen nach einer langen Serie befristeter Arbeitsverträge in einer beruflichen Sackgasse“, unterstrich Jenter. Allerspätestens ab Mitte dreißig brauche jedoch jeder Mensch eine klare berufliche Perspektive. Aber selbst nach erfolgreicher Habilitation drohe das Beschäftigungs-Aus. Wegen der schlechten Berufsperspektiven verließen viele gut qualifizierte Wissenschaftlerinnen die alma mater. „Der Traum von der Wissensgesellschaft könnte in Deutschland bald ausgeträumt sein, wenn nicht mehr in die berufliche Entwicklung von Wissenschaftlerinnen investiert wird“, sagte die GEW-Sprecherin.



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Rede von Anne Jenter zum Internationalen Frauentag

 

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