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11.03.2009

GEW: „Wasserstandsmeldungen für seriöse Kita-Planung nicht hilfreich“

Kita-Zahlen: Bildungsgewerkschaft zu Vorstoß von Familienministerin von der Leyen

Frankfurt a.M. – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat den Vorstoß von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit der Bekanntgabe von Kita-Zahlen kritisiert. „Aktuelle Wasserstandsmeldungen sind gut bei Dauerregen und Schneeschmelze, für eine seriöse Kita-Planung sind sie purer Aktionismus“, sagte Norbert Hocke, Leiter des GEW-Vorstandsbereichs Jugendhilfe und Sozialarbeit, am Mittwoch in Franfurt a.M. Die Familienministerin habe bereits in den vergangenen Wochen mit voreiligen Berechnungen über steigende Geburtenzahlen daneben gelegen. Jetzt gehe sie vier Tage vor dem Stichtag der offiziellen, bundesweiten Zählung für die Kita-Statistik an die Öffentlichkeit. Das Statistische Bundesamt lasse die Jugendämter jährlich am 15. März den Stand der Kinderbetreuung erheben. Bis diese Daten zusammengefasst und ausgewertet seien, dauert es mindestens bis zum Sommer. Hocke forderte die Kommunen auf, das bewährte Instrument der Jugendhilfeplanung zu nutzen. Zielmarke sei das Jahr 2013: Bis dahin müssten Kommunen und Kita-Träger darauf vorbereitet sein, allen Eltern mit unter dreijährigen Kindern, die dies wünschen, einen Kita-Platz anzubieten.

„Das größte Problem: Es wird kaum gelingen, für den Kita-Ausbau ausreichend und gut qualifiziertes Personal zu bekommen: Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt“, betonte der GEW-Kita-Experte. In den vergangenen Jahren sei versäumt worden, den Erzieherinnen-Beruf für junge Leute attraktiver zu machen. „Wer sich beharrlich weigert, den Beruf beispielsweise durch eine verbesserte Ausbildung aufzuwerten, darf sich nicht wundern, wenn der Nachwuchs ausbleibt“, sagte Hocke. Mit Blick auf die in zwei Wochen fortgesetzten Tarifverhandlungen forderte er die öffentlichen Arbeitgeber auf, den Erzieherinnen endlich ein Tarifangebot zu machen, über das die Gewerkschaften verhandeln können. Durch die Einführung des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst (TVöD) seien die Gehälter neu eingestellter Kolleginnen und Kollegen massiv gesenkt worden.

Info: Vor wenigen Tagen hat das Deutsche Jugendinstitut (DJI) die Daten vom 15. März 2008 publiziert und kommt auf einen Ausbaustand von 12,2 Prozent im Bundesschnitt. Im März 2006 stand für acht Prozent der Kinder, die jünger als drei Jahre sind, ein Platz in einer Kindertagesstätte oder in der Tagespflege zur Verfügung. Damit ist die Bundesrepublik noch rund 188 Prozent (!) vom Ausbauziel entfernt: Dieses sieht vor, im Bundesdurchschnitt bis zum Jahr 2013 eine Versorgungsquote von 35 Prozent zu erreichen. Das bedeutet: Zusätzlich zu den bereits vorhandenen 167.000 Kita-Plätzen müssen weitere 250.000 Plätze eingerichtet werden.
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